Piraten vergeben Underground-"Oscar"

Publicity
12.02.2007

Die Macher von Pirate Bay verhöhnen mit einer eigenen Abstimmung zum Piraten-"Oscar" die Medienindustrie.

Mit der in der vergangenen Woche gestarteten Website Oscartorrents zeigen die Macher der schwedischen Website Pirate Bay wieder einmal, dass sie viel von Publicity verstehen.

Auf Oscartorrents gibt es Links zu BitTorrent-Dateien und YouTube-Versionen beinahe aller Filme, die für die diesjährigen Academy Awards nominiert sind. Die Piraten laden ihr Publikum dazu ein, sich die Filme anzusehen und im Voting-System der Website selbst abzustimmen.

"Billige Kohlehydrate"

Die Filmindustrie fordern die Piraten unterdessen dazu auf, sich ein anderes Geschäftsmodell auszudenken, "das nichts mit überteuerten Plastikscheiben zu tun hat und auch nichts mit verstunkenen Kinos, die billige Kohlehydrate verhökern und Filmvorführer einstellen, die gerade einmal sechs Dollar in der Stunde verdienen und nicht einmal dazu in der Lage sind, den Projektor scharf zu stellen".

Rechtlich angreifbar, so die Piraten, sei ihr Angebot nicht. Man referenziere schließlich nur Torrent-Dateien von Filmen, die bereits von anderen Leuten hochgeladen worden seien.

Die Oscar-Nacht findet am 25. Februar statt.

Traumfabrik der Hinterköpfe

Das wahre Dilemma, dem sich Filmindustrie und Filmkunst-Akademie im Digitalzeitalter gegenübersehen, zeigt unterdessen ein Eintrag im Branchen-Weblog Waxy.org auf. Die zentrale Frage lautet heute: Wie bringt die Industrie ihre Filme so zur Abstimmung an die Mitglieder der Akademie, dass diese nicht noch am selben Tag als "Screener" in Tauschbörsen auftauchen?

Laut Waxy finden sich 31 der 34 untersuchten Oscar-nominierten Filme [ohne Dokumentationen und ausländische Filme] bereits in Tauschbörsen wieder. Darunter befinden sich 24 offizielle "Screener", also Rips von Datenträgern, die für die Akademiemitglieder bestimmt waren, neun davon waren schon im Netz zu sehen, bevor sie überhaupt an die Akademiemitglieder ausgeliefert wurden.

Einige der Filme waren, wie üblich, mit einem Camcorder von Kinoleinwänden abgefilmt worden, Hinterköpfe inklusive. In einer ausführlichen Tabelle stellt Waxy dar, wann welche Version eines frisch veröffentlichten Films im Netz gelandet ist.

Interessant auch die Beobachtung, dass ein allzu restriktives Verhalten der Filmstudios beim Versand der Screener an die Akademiemitglieder dazu führt, dass diese die geschützten Filme ignorieren oder in den Keller stimmen. Versuche, die Filme auf speziell gesicherten Abspielgeräten zu versenden, hätten nicht gefruchtet.