EU sieht Hindernisse für Online-Content

26.01.2007

Eine aktuelle EU-Studie untersucht den Online-Markt und sieht Wachstumsraten von 400 Prozent. Um die Verbreitung von Online-Inhalten zu fördern, seien in den EU-Ländern jedoch ein besserer Netzzugang und "effiziente DRM-Systeme" nötig.

Die EU-Kommission ließ in der Studie das Potenzial von Online-Inhalten untersuchen. Die Erlöse aus Internet-Angeboten sollen demnach bis 2010 rund acht Milliarden Euro ausmachen, gab die EU am Donnerstag bekannt. Das entspreche einem Wachstum von über 400 Prozent in fünf Jahren.

In einigen Bereichen machten die Online-Inhalte bereits signifikante Anteile des Gesamtumsatzes aus, etwa 20 Prozent auf dem Musikmarkt und 33 Prozent bei Computerspielen.

"Digitale Konvergenz wird Realität"

"Die lang erwartete digitale Konvergenz ist dabei, wirtschaftliche Realität zu werden, und damit eröffnen sich beeindruckende Möglichkeiten für die europäischen Verbraucher, Inhalteanbieter und den Technologiesektor", sagte die für die Informationsgesellschaft und Medien zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding.

Sie betonte aber, dass die 27 EU-Staaten einen moderneren Ansatz brauchen und dass "einige technische und rechtliche Fragen mit neuen Augen betrachtet werden" müssten.

Digitalisierung vorantreiben

Die Europäische Kommission pocht seit längerem auf den zügigen Aufbau einer digitalen EU-Bibliothek. Bis Ende 2008 sollen zwei Millionen Bücher, Filme, Fotos und Manuskripte im Netz zur Verfügung stehen.

Netzzugang verbessern

Im Rahmen der Studie "Interaktive Inhalte und Konvergenz: Auswirkungen auf die Informationsgesellschaft" wurden auch Hindernisse für die Entwicklung von Online-Inhalten ermittelt und deren Auswirkungen auf den Markt analysiert.

Der Netzzugang stelle das größte Hindernis dar, die Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedsländern blieben weiter groß.

Auch Urheberrechtsverletzungen spielen der Studie zufolge eine große Rolle. Die Angst davor schrecke Medienunternehmen davon ab, Online-Inhalte bereitzustellen.

"Effiziente DRM-Systeme notwendig"

Laut der Studie seien effiziente DRM-Systeme zur Verwaltung und zum Schutz digitaler Inhalte für die digitale Verbreitung notwendig. Die Besorgnis über einen Mangel an Interoperabilität könnte die Entwicklung demnach aber behindern. Ob sich die Studie damit eher auf die Seite der Industrie als auf die der Konsumenten stellt, ist unklar.

Es seien aber den Ergebnissen zufolge zur Beseitigung der Hindernisse "Maßnahmen der Industrie oder eine Anpassung der EU-Rechtsvorschriften nötig, um für Konsumenten, Inhaltsanbieter und Gerätehersteller die entsprechende Rechtssicherheit zu schaffen".

Reding plane nun weiters die Initiative "Online-Inhalte auf Europas Binnemarkt, die im zweiten Halbjahr vorgestellt werden soll und auf den Ergebnissen der Studie basiere.