Emanzipation durch Handys für Frauen
In den europäischen Ländern gehört ein Telefon meist zur Standardausstattung einer Wohnung und Mobiltelefone sind vielerorts gar nicht mehr wegzudenken.
In weniger gut versorgten Ländern kann ein Anruf schon mal einen Tagesmarsch bedeuten oder auch gar nicht möglich sein.
In Bangladesch verhelfen nun Handys speziell für Frauen nicht nur dem Ort, in dem sie wohnen, zu mehr Anbindung an die Außenwelt, auch die Frauen profitieren durch mehr soziale Achtung im Dorf von der mobilen Telekommunikation.
Die sogenannten "Phone Ladys" [Telefonfrauen] läuten damit eine Art Wandel in den ansonsten männerdominierten Dorfgemeinschaften ein.
In einem Bericht der Internationalen Fernmeldeunion [ITU] in Genf wurde bereits letztes Jahr festgestellt, dass Mobiltelefone sich mittlerweile schneller verbreiten als Festnetzanschlüsse.
Handybesitzer als EntwicklungshelferDrei Telefone auf 1.000 Bewohner
Bangladesch hat, bei einer Bevölkerungszahl von 130 Millionen Menschen, eine der niedrigsten Telefon-Versorgungsraten weltweit. Auf 1.000 Menschen kommen drei Leitungen, wobei rund 80 Prozent der Bevölkerung in Dörfern lebt die überhaupt keine Anbindung an das Telefonfestnetz haben. Auch die Mobilfunkpenetration liegt bei derzeit erst rund 1,25 Millionen.
Der führende der vier privaten Mobilfunkbetreiber, GrameenPhone, investiert 60 Millionen USD in seine Expansion und plant bis zum Ende des Jahres eine Millionen Kunden zu erreichen.
Dafür wendet sich der Betreiber mit einem speziell niedrigen Preispaket vor allem an die Frauen eines Dorfes. Die Handys werden nur auf die Frauen registriert, dürfen aber auch von ihren Männern und Söhnen betrieben werden und werden im Dorf für ein paar Taka [Währung Bangladeschs; ein Euro entspricht rund 70 Taka] geteilt.
Wandelnde Postler in Indien
In Indien stattet die Post ihre Briefträger mit Handys aus, die
dann als wandelnde Telefonzellen der Post neue Einnahmequellen
erschließen sollen. 25 Prozent des Umsatzes darf die "wandelnde
Telefonzelle" dabei behalten.
Wandelnde Telefonzellen in IndienFamilienunternehmen Handyvermietung
Die Telefone haben mittlerweile richtige Familienunternehmen in vielen Dörfern herausgebildet, die einen durchschnittlichen Gewinn 10.000 Taka [rund 152 Euro] erwirtschaften. Das Jahreseinkommen liegt im Durchschnitt bei 317 Euro.
Damit verbessert sich nicht nur der Lebensstandard der Familien, auch die Stellung der Frauen wird aufgewertet und sie bekommen mehr Mitspracherechte, zb. bei der Hochzeit der Kinder, sagt Betreiberin Masuda Begum.
GrameenPhone plant nun eine Ausweitung der Services und will den Frauen nun auch Internetzugang via Handy anbieten. Auch Preisauskünfte und Wettervorhersagen sollen demnächst über das Handy möglich sein.
Irak rüstet nach
Auch im Irak sind funktionierende Telefonleitungen rar.
Mittlerweile gibt es neben den privaten und kostenintensiven
Satellitenhandys auch NGOs mit Telefonen im Land.
Mediales Nachrüsten im Irak
