D: Erste Regelung für Glasfaser-Netzzugang
Vodafone-Entscheidung mit Pilotcharakter für weitere Verfahren
Die deutsche Bundesnetzagentur hat erste Bedingungen für den Zugang der Wettbewerber zum Glasfasernetz der Deutschen Telekom (DT) festgelegt. Mit ihrer Entscheidung reagierte die Behörde auf einen Antrag des Telekomkonzerns Vodafone. Der Branchenverband VATM, in dem rund 90 DT-Konkurrenten organisiert sind, nannte die Entscheidung einen wichtigen "Schritt für den weiteren Ausbau des schnellen modernen Telekommunikationsnetzes in Deutschland".
Multifunktionsgehäuse und Kabelschächte
Die deutsche Behörde legte zunächst fest, auf welche Teile des Netzes die DT ihre Konkurrenten überhaupt zugreifen lassen muss. Dazu gehören die Multifunktionsgehäuse - graue Kästen, die vielerorts am Straßenrand stehen und als Übergabepunkt zwischen Glasfaser und "letzter Meile" in den Kundenhaushalt fungieren. Auch bereits vorhandene Kabelschächte und ungenutzte Glasfaser muss der Ex-Monopolist zur Verfügung stellen.
Beides hatte die DT zuvor abgelehnt. "Für die Investitionspläne zahlreicher Unternehmen besteht jetzt Klarheit", sagte Netzagentur-Chef Matthias Kurth am Montag. Er appellierte an die Wettbewerber, ihre Ausbauabsichten jetzt auch zügig umzusetzen.
Pilotcharakter für weitere Verfahren
"Die jetzt im Verhältnis zwischen der Deutschen Telekom und Vodafone festgelegten Regelungen haben Pilotcharakter für andere noch laufende Regulierungsverfahren", erklärte Kurth. Neben Vodafone hatten auch Telefonica und die Telecom-Italia-Tochter Hansenet entsprechende Anträge bei der Behörde gestellt.
Die Wettbewerber der Deutschen Telekom drängen seit langem auf die Öffnung bestimmter Teile des DT-Netzes, um den eigenen Aufbau von glasfaserbasierten Netzen vorantreiben zu können. Gespräche zwischen Deutscher Telekom und mehreren Konkurrenten waren im Sommer aber gescheitert. Beide Seiten hatten daraufhin den Regulierer eingeschaltet. Die DT war im August bereits vorgeprescht und hatte Entgelte für die Nutzung bestimmter Bestandteile beantragt. Der Antrag war allerdings abgelehnt worden.
Deutsche Telekom skeptisch
"Die Beschlüsse sind ein erster Schritt in die richtige Richtung", hieß es in einer Mitteilung von Vodafone. Allerdings müssten nun noch die Entgelte abgewartet werden, die die DT erneut beantragen müsse. Die Deutsche Telekom reagierte skeptisch auf die Entscheidung. Beim Zugang zu den Multifunktionsgehäusen seien mögliche Engpässe nicht ernst genommen worden, sagte ein Sprecher. Stattdessen habe nun der schnellste Wettbewerber alle Vorteile. Bei den übrigen Forderungen sei die Netzagentur dagegen eher den Vorschlägen der Deutschen Telekom gefolgt.
(dpa)
