Soldaten der Zukunft total vernetzt
Forscher Dennis Birch vergleicht US-Soldaten gerne mit geschmückten Weihnachtsbäumen: Sobald neue Technologien das Gepäck der Soldaten eigentlich leichter machen würden, wird ihnen auch schon das nächste Stück Ausrüstung aufgehalst.
Mit dem Ergebnis, dass jeder Soldat "ungefähr 50 Kilogramm gute Ideen an sich herumbaumeln hat", so Birch.
Für den Prototypen einer High-Tech-Uniform der Zukunft haben die US-Forscher des "Army Soldier Systems Center" deswegen ganz von vorn angefangen und erst einmal alles überflüssige Gewicht abgeschüttelt.
Nach den Design-Vorstellungen der Wissenschaftler sollen US-Soldaten ab 2011 eine vernetzte Uniform tragen, in der alles nötige Equipment integriert ist und auch die Gesundheit via Sensoren überwacht wird.
"Die Idee dahinter ist, nur ein integriertes System, das verschiedene andere Systeme verbindet, zu haben, sodass es keine Rolle mehr spielt, welche lebenswichtige Ausrüstung man mitnimmt oder auch nicht", erklärt Birch.
Army Soldier Systems Center15 Mrd. USD für das "Future Combat System"
Die nun entworfene Kampfausrüstung der Zukunft, das so genannte "Scorpion Ensemble", wiegt daher nur knapp 25 Kilogramm und lässt den Soldaten wesentlich mehr Bewegungsfreiheit als die jetzige Ausrüstung, die bis zu 60 Kilogramm wiegen kann.
Das Ensemble soll den Soldaten mit dem geplanten "Future Combat System" verbinden, dessen Entwicklung das Pentagon für 15 Milliarden USD in Auftrag gegeben hat.
Das neue Kampfsystem sieht leichtere Panzer, leistungsfähigere Computer-Netzwerke und größere Flotten von ferngesteuerten Flugzeugen und Roboter-Bodenfahrzeugen vor.
Das erste Bataillon könnte bereits 2010 mit dem neuen System in den Kampf ziehen, etwa zur gleichen Zeit könnten auch die ersten "Scorpion Ensembles" die Soldaten vernetzen.
Gliedmaßen aus der Ferne abbinden
Als unterste Schicht trägt der Soldat dann ein Unterhemd, ausgestattet mit Senoren zur Messung der Herztätigkeit, der Körpertemperatur und der Atmung. Darüber wird die Uniform angezogen, in der bereits Schlauchbinden zum Abklemmen von Blutgefäßen bzw. Gliedmaßen, eingenäht sind. Diese "Tourniquets" lassen sich im Ernstfall aus der Ferne enger schnallen oder auch wieder lockern.
Steuerung über Bedienfeld am Unterarm
Im Brust- und Rückenbereich sind kugelsichere Taschen, in denen die Schaltkreise untergebracht sind und Wasser, Munition und Batterien transportiert werden sollen.
Am fortschrittlichsten wird aber der Helm aussehen, mit kleinen eingebauten Kameras, die dafür sorgen sollen, dass Feinde auch im Dunkeln und in Verstecken entdeckt werden. Die Kamerabilder sollen auf semitransparenten Bildschirmen, die am Helm angebracht werden, zu sehen sein.
Soldaten, die sich verirren - ein häufiges Problem in feindlichem Gebiet - könnten Landkarten und GPS-Koordinaten am Bildschirm einblenden. Bilder von Kameras anderer Soldaten oder auch Drohnen und Robotern könnten ebenfalls abgefragt werden. Auch ein Lasersystem, das Freund und Feind identifiziert, ist für die Helmausrüstung vorgesehen.
Später soll jeder Soldat außerdem in der Lage sein, Wärmebilder über ungekühlte Infrarotkameras zu sehen. Diese Kameras "haben zwar eine weitaus geringere Auflösung als herkömmliche Nachtsichtgeräte, dafür aber einen wesentlich besseren Zielkontrast," erklärt A. Fenner Milton, Chef des "Night Vision Labs" in Fort Belvoir in Virginia.
Über welchen Weg die Soldaten das System bedienen werden, steht noch nicht fest. Erklärtes Ziel ist eine Sprachsteuerung, doch wegen Schwierigkeiten mit den verschiedenen Aussprachen wird auch der Einbau eines Bedienfeldes in den Kleidungsunterarm erwogen.
Integration künftiger Entwicklungen
Der Scorpion-Anzug soll eine offene Architektur darstellen,
spätere Entwicklungen sollen darin integriert werden. Angedacht ist
dabei etwa eine Tarnvorrichtung, die den Soldaten inmitten einer
projizierten Umgebung nahezu unsichtbar werden lässt.
US-Soldaten trainieren mit der XboxSelbstheilendes Minenfeld
Und sogar die Waffe wurde komplett überarbeitet. Binnen fünf Jahren soll die XM29 für den Einsatz auf dem Schlachtfeld bereit sein. Als Munition kommen die gleichen Kugeln wie schon bei den M16s und M4s zum Einsatz, doch zusätzlich sollen programmierbare, in der Luft explodierende Granaten einen Kugelregen über den Köpfen der Feinde freisetzen.
Für eine stärkere Feuerkraft werden Roboterfahrzeuge entwickelt, von denen Granaten und andere Waffen abgefeuert werden können. Sie könnten auch als ferngesteuerte Augen und Ohren dienen oder einfach nur zusätzliche Ausrüstung transportieren.
Intelligente, drahtlos vernetzte Panzerabwehrminen sollen die Feinde weiters künftig länger in Schach halten. Gelingt es dem Feind, einzelne Minen zu entfernen oder in die Luft zu jagen, sollen einzelne Minen bolzengetrieben bis zu zehn Meter weit "hüpfen" können und so entstandene Lücken selbstständig wieder auffüllen.
Stofffasern sollen gebrochene Knochen schienen
Auch an Uniformen, die chemische Attacken blockieren können, oder
Stofffasern, die sich zu einer Art Gips verhärten oder auch einen
gebrochenen Knochen schienen können, wird gearbeitet.
Die XM29 mit dem Werbeslogan "No place to hide"
Vernetzte Panzerminen ordnen sich selbst an
