SCO verspricht Beweise gegen Linux
Die US-Softwarefirma SCO, die behauptet im Linux-Kernel befinde sich Source-Code aus dem Betriebssystem Unix, auf das SCO die Patente hält, will nächste Woche endlich Beweise für ihre Vorwürfe vorlegen.
Analysten und Journalisten sollen diese Beweise demnach zu sehen bekommen, allerdings nur wenn sie Stillschweigen zu den Details bewahren. Dazu sollen sie "Non Disclosure Agreements" [NDAs] unterschreiben.
Der Softwarekonzern, der noch bis vor wenigen Wochen selbst eine Version des Betriebssystems Linux vertrieben hatte, verunsichert seit geraumer Zeit die Open-Source-Szene indem er behauptet, Linux würde Patent- Urheber und Geheimhaltungsrechte verletzen, die rechtmäßig SCO zustünden.
Gestohlener Unix-Code im Linux-KernelHeimischer Verein verlangte Statement
Die SCO-Vorwürfe rufen unterdessen immer mehr Gegenstimmen auf den Plan: Neben der Softwarefirma Novell und dem Betreiber der Linux-Messe LinuxTag hat am Montag auch der Verein zur Förderung freier Software [FFS] Beweise für die Anschuldigungen gefordert.
Angesichts einer möglicherweise zu befürchtenden Verunsicherung all jener Unternehmen, Behörden und Endbenutzer, die Linux bereits heute mit großem Erfolg einsetzen, sah sich der FFS veranlasst, zur Klärung der Situation beizutragen, und SCO um eine Stellungnahme zu bitten und - so solche überhaupt vorliegen - Belege für die behaupteten Ansprüche zu präsentieren.
Verein zur Förderung Freier SoftwareUngenügend
SCO hat Freitag, zwei Stunden vor Ablauf der vom FFS gesetzten Frist, durch seine anwaltliche Vertretung erklärt, nach wie vor keine Fakten liefern zu können oder zu wollen: "Die darin gesetzte, schon morgen ablaufende Frist kann von unserer Mandantschaft nicht eingehalten werden." Weiters bat SCO, ohne Angabe von Gründen, um Fristverlängerung.
Da weder Fakten, noch ein Termin für eine Vorlage konkreter Belege genannt wurden, ist diese Stellungnahme für den FFS ungenügend, zumal sich durch das weitere Hinauszögern einer Klärung der Sachlage zahlreiche heimische Unternehmen akut in ihrer Wettbewerbsposition bedroht sehen könnten:
"Wir sind davon ausgegangen, dass SCO jene Tatsachen, die ihren Aussagen Glaubwürdigkeit verleihen könnten bereits seit längerer Zeit bekannt sein sollten." sagt Georg Jakob, Vorsitzender des FFS. Die Antwort des Unternehmens zeige insbesondere, dass SCO offenbar den eigenen Quellcode oder aber die derzeitige Rechtslage unrichtig einschätze und dennoch die Wettbwerbssituation der IT-Branche in den Mitgliedstaaten der EU zu verzerren versuche.
Im ersten Schritt der Österreicher wurde bewusst auf die Androhung rechtlicher Konsequenzen verzichtet. Der FFS hätte anfangs gerne einen anderen Weg eingeschlagen, als dies z.B. in Deutschland durch die Abmahnung von SCO durch den Linuxtag e.V erfolgt ist. Sollte SCO jedoch weiterhin kein Interesse an einer konstruktiven Entschärfung der von ihr herbeigeführten Situation zeigen, so wären rechtliche Schritte wohl "unvermeidbar".
