02.05.2003

ANGEBLICH

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Gestohlener Unix-Code im Linux-Kernel

Im Kernel des Linux-Betriebssystems finden sich einige Zeilen Code, die Eins-zu-eins aus Unix kopiert wurden. Dies behauptet Darl McBride, Chef der Santa Cruz Operation [SCO] Group.

Die abgekupferten Stellen seien manchmal schon älteren Datums, andere stammten aber auch aus jüngerer Zeit. Es seien allesamt bedeutende Passagen.

Weitere Details will McBride erst vor Gericht bekannt geben: "Würden wir die betreffenden Zeilen jetzt öffentlich machen, würde die Linux-Community sie umgehend ändern. Das werden wir also auf keinen Fall tun."

Sein Konzern überlegt nun Lizenzansprüche gegenüber Distributoren wie Red Hat, SuSE, Mandrake etc. geltend zu machen.

Kein Fall von Code-Klau bisher bekannt

"Das zeigt eine Schwäche der Open-Soure-Bewegung, " sagte Copyright-Anwalt Mark Radcliffe. "Alles basiert auf Vertrauen.

Unglücklicherweise weisen einige 'Linuxer' wenig Respekt für geistiges Eigentum auf. Das ist kein Problem, solange es zu privaten Zwecken geschieht. Entscheidet man sich aber für eine Implementierung, kann das natürlich fatale Folgen haben."

Illuminata-Analyst Jonathan Eunice meint, bevor die Open-Source-Community in seinen Grundzügen erschüttert werde, sei erst einmal ein Beweis für derartige Anschuldigungen erforderlich.

Normalerweise sei die Programmeirung von Open-Source-Software ein transparenter Prozess. Und obwohl es Millionen von Zeilen an Quellcode gibt, habe es bisher keine Probleme die Reinheit des Codes betreffend gegeben.

"Dies wäre der erste große Fall, bei dem es um den unzulässigen Gebrauch von Code in Open-Source-Software geht," so Eunice.

"McBride will Linux nur schlecht machen"

Bruce Perens, ehemaliger Chef des Debian-Projektes, glaubt nicht an die Beweisbarkeit des Vorwurfs. "McBride erzählt uns, es gäbe kopierten Code, will ihn uns aber nicht zeigen.

Vielleicht hören wir ja vor Gericht etwas darüber, aber ehrlich gesagt, glaub ich nicht daran. Für mich klingt das eher danach, dass McBride Linux im Allgemeinen schlecht machen will."

Preens geht außerdem in die Offensive: "Auch das Kopieren hat immer zwei Seiten. Ich will erst einmal Beweise dafür sehen, dass nicht Linux-Code in das SCO-Unix übernommen wurde."

Sollten die Vorwürfe jedoch belegbar sein, sieht Urheberrechtsexperte und Anwalt John Ferrell Probleme auf Distributoren wie Red Hat und SuSE zukommen.

Forderungen in der Höhe von 100.000 USD pro Verletzung und eine Vergütung entgangener Einnahmen wären möglich.