Mitarbeiterüberwachung bei Welser Firma

DATENSCHUTZ
05.07.2009

Der Welser Konzern Tiger Lacke hat laut einem "profil"-Bericht Mitarbeiter mit versteckten Kameras überwacht, heimlich E-Mails mitgelesen und Daten über die Dauer der Krankenstände gespeichert.

Die oberösterreichische Firma Tiger Lacke soll ihre Mitarbeiter bespitzelt haben, berichtet das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner neuen Ausgabe. Nach den bekanntgewordenen Skandalen bei Lidl, der Deutschen Bahn und der Deutschen Telekom ist das der erste größere Fall in Österreich.

E-Mails und Internet-Verhalten überwacht

Die Bespitzelungsaffäre beschränkt sich laut "profil" nicht nur auf die im Jahr 2003 installierten Kameras, auch E-Mails bestimmter Mitarbeiter wurden mitgelesen und das Surfverhalten im Internet sowie das Kommen und Gehen genauestens beobachtet. Darüber hinaus sollen die Krankenstände erfragt und dokumentiert worden und anschließend Rankings der Mitarbeiter mit den meisten Krankenständen erstellt worden sein.

Videoüberwachung wegen "Materialschwunds"

Geschäftsführer Clemens Steiner äußerte sich dazu im "profil"-Interview: "Aus heutiger Perspektive würden wir das nicht mehr machen." Als Grund für die versteckten Kameras gab Steiner an, dass damals ein unerklärlicher Materialschwund in der Firma geherrscht habe. Die Überwachung sei der letzte Schritt gewesen, um das aufzuklären. Kurze Zeit später habe sich jedoch herausgestellt, dass es sich dabei um einen Buchhaltungsfehler handelte. "Es ging damals darum, Arbeitsplätze zu sichern", erklärte Steiner. Anschließend wurden die Kameras laut Management abmontiert und verkauft.

Der Arbeitgeber müsste eine derartige Videoüberwachung von der Datenschutzkommission genehmigen lassen. Eine Genehmigung werde aber nur bei einer "besonderen Gefährdungslage" erteilt, heißt es im "profil"-Bericht. Erst wenn alle anderen Möglichkeiten, einen Sachverhalt aufzuklären, nicht zum Erfolg geführt haben, dürfen Kameras eingesetzt werden.

Ein ehemaliger Mitarbeiter des Lackherstellers bestreitet zudem, dass die Kameras nach der Klärung des Materialschwunds wieder verschwunden seien. Die Aufzeichnungen seien über Jahre hinweg gelaufen und täglich gesichtet worden.

Verteilerliste leitete Mails weiter

Die Mitarbeiter sollen nicht nur per Kameras bespitzelt worden sein, auch die E-Mails bestimmter Mitarbeiter wurden ohne deren Wissen mitgelesen. Dazu soll eine Verteilerliste erstellt worden sein, bei der jede eingehende Nachricht gleichzeitig an die Geschäftsführung weitergeleitet wurde. Auch dieser Vorwurf wird von der Geschäftsführung nicht bestritten, denn der betreffende Mitarbeiter hatte laut Steiner versucht, einen Unternehmensteil abzuspalten.

Aufzeichnung der Krankenstände

Wie "profil" von Betriebsrat Klaus Wiesinger erfuhr, wurden auch die Krankenstände genauestens protokolliert, abgespeichert und an die Abteilungsleiter verschickt. "Teilweise werden dann ernste Gespräche mit den Betreffenden geführt. Das ist durchaus ein Kriterium, wenn Mitarbeiter abgebaut werden müssen", so Wiesinger. Dazu gab es jedoch ein klares Nein von der Geschäftsführung: "Dass eine Gesundheitsrate errechnet wird, ist ein Indikator für die Unternehmenszufriedenheit und erzeugt positive Energie."

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(APA)