10.05.2003

ON SCREEN

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Datensammeln per TV-Knopfdruck

Waren bisher digitale Videorekorder noch von der Film- und Werbeindustrie eher gefürchtet, könnten nun spezielle Programme, die das TV-Konsumverhalten der User erforschen, zur neuen Informationsquelle für die Werbung und damit die Industrie werden.

Vor einigen Jahren hat Predictive Networks begonnen, das Verhalten der TV-Konsumenten anhand der Bedienung der Fernsteuerung zu analysieren. Die Software, die mittlerweile an Kabel-TV-Betreiber und Satellitenanbieter verkauft wird, kann anhand der Bedienung der Knöpfe in Verbindung mit dem TV-Programm bestimmte Muster erkennen, mit deren Hilfe sie mittlerweile das Verhalten und die Wünsche der TV-User auch vorhersagen kann.

Durch den Einsatz solcher Software können nicht nur Programme speziell zugeschnitten werden, auch Firmen könnten ihre Werbungen, anstatt wie bisher breit gestreut, leichter auf bestimmte Zielgruppen abzielen.

Videorekorder erkennt Vorlieben

Einige Firmen, darunter auch Predictive, arbeiten daran diese Daten über die Gewohnheiten der TV-User bei Sendungen und Werbeeinschaltungen zu sammeln, um detaillierte Bilder von den Usern zu bekommen. Und die Software arbeitet recht akkurat: Durchschnittlich 270 Sekunden verbleiben die Seher auf den von Predictive vorgeschlagenen Kanälen, im Vergleich zu 150 Sekunden von den selber gewählten.

Die Vorhersagen der Vorlieben für bestimmte Sendungen ist eines der Hauptfeatures des digitalen Videorekorders TiVo sowie anderer Set-Top-Boxen. TiVo sendet Daten über das Seher-Verhalten des User anonym, dadurch können zwar Informationen über die Gewohnheiten der User gesammelt werden, aber nicht von Einzelpersonen.

Bei der Einführung TiVos dachten viele, dass der digitale Videorekorder das Ende für die Werbung sein würde, da er den Usern erlaubt Werbung zu überspringen. Als sich die Medienfirmen darüber beschwerten und das Feature als Diebstahl titulierten, änderte TiVo seine Strategie.

Kein Überspringen von Werbung möglich

Die Geräte können zwar 30 Sekunden [die übliche Länge einer Werbung] überspringen, doch das Feature ist versteckt und ein spezieller Code wird benötigt um es freizuschalten. Auch das automatische Überspringen aller Werbeblöcke wäre möglich, doch dieses Feature hat Konkurrent Sonicblue bereits Klagen von der Industrie eingehandelt, die TiVo vermeiden möchte.

Mittlerweile arbeitet die TV-Industrie an der Entwicklung eigener Geräte. Eines der Hauptziele von NDS, eine Tochtergesellschaft von News Corp., ist die "Bewahrung des Einnahmenstroms der Sender", so Vizepräsident Dov Rubin. Dies will die Firma durch "bedingte Zugangstechnologie" und Interaktives TV erreichen, dass den Contentfirmen und Sender breite Möglichkeiten gibt zu bestimmten, wie die Seher ihr System verwenden können.

Der Videorekorder von NDS lässt die Sender bestimmen ob die User eine Werbung überspringen können oder nicht. Auch die Möglichkeit nur die letzten fünf Sekunden eines Spots zu zeigen, indem dann das Logo eingeblendet wird, ist gegeben.

Daten-Weitergabe an Dritte

In Großbritannien bietet Sky TV einen NDS-Digitalrekorder und Satellitenreceiver als speziellen Service namens Sky+ an. Das System sammelt Informationen über die Seh-Gewohnheiten seiner User, die auch an die persönlichen Daten gekoppelt sind. Laut Privacy Policy werden von Zeit zu Zeit Daten gesammelt die zudem an Dritte weitergegeben werden, die Produkte anbieten die für den User "von Interesse sein könnten¿".

Die Zukunft der TV-Werbung könnte laut Experten in speziell zugeschnittenen Werbeblöcken liegen, die zum Beispiel auf Singlehaushalte oder bestimmte Postleitzahlen abzielen. Weitere Ideen beinhalten sogenannte Teaser [kurze Anrisse], die dann ähnlich wie im Netz weiterführend sein können.

Je nach Angebot könnte zudem auch der Konsum eines gewissen Quantums an Werbung bei speziellen Programmen vorgeschrieben sein.