Spam aus dem Videorecorder
Besitzer eines digitalen Festplatten-Videorecorders aus dem Hause TiVo haben einen bitteren Vorgeschmack auf die Fähigkeiten ihres smarten High-Tech-Gerätes bekommen.
TiVo-Geräte in Großbritannien nahmen automatisch und ohne Zustimmung ihrer Besitzer eine Folge der neuen BBC-Comedy "Dossa and Joe" auf.
Nur Konsumenten, die für den gleichen Zeitraum eine andere Programmierung eingegeben hatten, blieb die Zwangsbeglückung erspart.
Recoder nimmt nach Kundenprofil auf
Der TiVo-Recorder speichtert die Sendungen auf Festplatte und
wird über einen Linux-Computer kontrolliert. Ein Programm beobachtet
automatisch die Vorlieben seines Klienten beim TV-Konsum, das ergibt
ein bestimmtes Profil, nach dem der TiVo-Recorder selbständig neue
Sendungen aufzeichnet.
TiVo"Coole Einführung in eine neue Technologie"
Grund für die Eigenintitiative des Videorecorder ist ein Werbevertrag zwischen TiVo und der BBC.
Im Auftrag des britischen Senders ließ TiVo die "Dossa and Joe"-Folge auf 50.000 Festplatten automatisch aufnehmen. Dazu kam noch die Tatsache, dass die Kunden die Folge nicht sofort löschen konnten, erst nach vier Tagen verschwindet die Aufzeichnung automatisch.
Marketing-Analysten bezeichnen die ganze Aktion als spektakuläres Eigentor, denn nicht nur tausende Kunden wurden verärgert, sondern denjenigen, die sich die Show wirklich ansehen wollten, fehlten auch noch die letzten zwei Minuten der Serie, da sie verspätet ausgestrahlt wurde.
Der Sender gestand inzwischen seine Fehler ein und Andrew Cresci von TiVo sagte: "Wir hätten unseren Kunden vielleicht vorher darüber informieren sollen, was wir vorhaben. Aber das ganze war als coole Einführung in eine neue Technologie gedacht."
Zusammenarbeit geht weiter
Trotz allen Schwierigkeiten planen BBC und TiVo weitere
Fernsehshows auf diese Art und Weise in Großbritannien zu bewerben,
man werde seine User nur besser darauf vorbereiten.
"Dossa and Joe" auf BBCWerbeblöcke einfach überspringen
Analysten sehen die Hersteller und Betreiber digitaler Videorecorder sowieso in einer Zwickmühle.
"Das ist keine Überraschung. Entweder sie verärgen die TV-Sender oder verscherzen es sich mit den Kunden," sagt ein Analyst von Nielsen/NetRatings. "Und aus der Sicht der Programmanbieter eröffnen sich durch diese Technologie ganz neue Möglichkeiten, die sie natürlich nutzen wollen."
Generell ist die Filmindustrie den Festplattenrecordern gegenüber jedoch recht negativ eingestellt, da sie Konsumenten erlauben, Werbeblöcke einfach zu überspringen.
Hersteller soll Kundenverhalten ausspionieren
Ein Anbieter digitaler Videorecorder, Sonicblue, war am 26. April
vom Bundesbezirksgericht in Los Angeles dazu verurteilt worden, alle
verfügbaren Nutzungsdaten seiner User zu protokollieren und diese an
die Filmindustrie zu übergeben. Auf die gerichtliche Anordnung hin
sollte Sonicblue jede aufgenommene Sendung und jeden übersprungenen
Werbeblock aufzeichnen. Man befürchte vor allem sinkende
Werbeeinnahmen.
Spionage-Verfügung verschoben
