01.06.2002

DOSSA AND JOE

Bildquelle: BBC

Spam aus dem Videorecorder

Besitzer eines digitalen Festplatten-Videorecorders aus dem Hause TiVo haben einen bitteren Vorgeschmack auf die Fähigkeiten ihres smarten High-Tech-Gerätes bekommen.

TiVo-Geräte in Großbritannien nahmen automatisch und ohne Zustimmung ihrer Besitzer eine Folge der neuen BBC-Comedy "Dossa and Joe" auf.

Nur Konsumenten, die für den gleichen Zeitraum eine andere Programmierung eingegeben hatten, blieb die Zwangsbeglückung erspart.

"Coole Einführung in eine neue Technologie"

Grund für die Eigenintitiative des Videorecorder ist ein Werbevertrag zwischen TiVo und der BBC.

Im Auftrag des britischen Senders ließ TiVo die "Dossa and Joe"-Folge auf 50.000 Festplatten automatisch aufnehmen. Dazu kam noch die Tatsache, dass die Kunden die Folge nicht sofort löschen konnten, erst nach vier Tagen verschwindet die Aufzeichnung automatisch.

Marketing-Analysten bezeichnen die ganze Aktion als spektakuläres Eigentor, denn nicht nur tausende Kunden wurden verärgert, sondern denjenigen, die sich die Show wirklich ansehen wollten, fehlten auch noch die letzten zwei Minuten der Serie, da sie verspätet ausgestrahlt wurde.

Der Sender gestand inzwischen seine Fehler ein und Andrew Cresci von TiVo sagte: "Wir hätten unseren Kunden vielleicht vorher darüber informieren sollen, was wir vorhaben. Aber das ganze war als coole Einführung in eine neue Technologie gedacht."

Werbeblöcke einfach überspringen

Analysten sehen die Hersteller und Betreiber digitaler Videorecorder sowieso in einer Zwickmühle.

"Das ist keine Überraschung. Entweder sie verärgen die TV-Sender oder verscherzen es sich mit den Kunden," sagt ein Analyst von Nielsen/NetRatings. "Und aus der Sicht der Programmanbieter eröffnen sich durch diese Technologie ganz neue Möglichkeiten, die sie natürlich nutzen wollen."

Generell ist die Filmindustrie den Festplattenrecordern gegenüber jedoch recht negativ eingestellt, da sie Konsumenten erlauben, Werbeblöcke einfach zu überspringen.