Von Pierer will bleiben

Siemens
17.12.2006

Heinrich von Pierer, Aufsichtsratschef und früherer Vorstandsvorsitzender des deutschen Technologiekonzerns Siemens, schließt persönliche Konsequenzen im Korruptionsskandal aus.

"Ich trete nicht zurück", sagte von Pierer der "Welt am Sonntag". "Die Frage stellt sich mir nicht. Denn ich habe mir nichts vorzuwerfen."

Kein Interessenskonflikt

Einen Interessenkonflikt sehe er nicht, obwohl er als Aufsichtsratsvorsitzender nun Vorgänge aus seiner Zeit als Vorstandschef aufklären muss.

Nicht er, sondern der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats unter dem Vorsitz von ThyssenKrupp-Chef Gerhard Cromme habe das "Heft des Handelns in der Hand".

420 Millionen Euro in schwarzen Kassen versickert

Bei Siemens hat es nach Firmenangaben in den vergangenen Jahren dubiose Zahlungsströme von insgesamt 420 Millionen Euro gegeben. Pierer sagte der Zeitung, er sehe dabei keine persönlichen Versäumnisse. "Wir haben viel gegen Korruption getan und unseren Leuten immer klar gesagt: Lasst lieber ein Geschäft sausen."

Das Münchner Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet unterdessen, dass ein Ex-Finanzchef des Konzerns und ein ehemliger Aufsichtsratsvorsitzender bereits frühzeitig von den dubiosen Geldströmen erfahren haben sollen.

Keine Umsatzeinbußen erwartet

Er erwarte bei Siemens keinen Auftragsrückgang als Folge der Affäre: "Alle Zahlen über mögliche Umsatzeinbußen sind frei erfunden. Es gibt sie einfach nicht. Und es besteht auch kein Anlass zur Annahme, dass wir nun Umsatzeinbußen hinnehmen müssen."

Kontrollsystem umgangen

Gegenüber dem Hamburger Wochenmagazin "Der Spiegel" verteidigte von Pierer das unternehmensinterne Kontrollsystem: "Dass es einer Gruppe von Führungskräften und Mitarbeitern gelungen ist, die einschlägigen Sicherungen, die wir in den letzten Jahren entwickelt und installiert haben, außer Kraft zu setzen, hätte ich mir nicht träumen lassen. Sie haben sich offenbar unsere dezentrale Organisation zu Nutze gemacht und meinten wohl, Wege gefunden zu haben, die von unseren externen und internen Kontrollen nicht durchschaut werden konnten."

Die Korruptionsaffäre erschüttert Siemens in seinen Grundfesten. Fünf beschuldigte Spitzenmanager sitzen in getrennter Haft. Vertreter der Kleinaktionäre wollen Siemens-Chef Klaus Kleinfeld zur Verantwortung ziehen.

(Reuters)