24.04.2003

MÜLL-MAILS

Bildquelle: ORF.at

Spammer verklagen Anti-Spammer

Der anscheinend ewige Kampf zwischen Spammern und Anti-Spam-Initiativen geht in eine neue Runde: Die frisch gegründete Organisation "EmarketersAmerica" hat in Florida zahlreiche Anti-Spam-Gruppen verklagt und fordert 75 Mio. USD Schadenersatz.

EmarketersAmerica wurde vom Anwalt Mark E. Felstein ins Leben gerufen, zu dessen Klienten der notorische Spammer Eddy Marin gehört. Unter den Beklagten befinden sich unter anderem das Spamhaus Project und Spews.org.

Laut der Klage behindern die Anti-Spam-Organisationen das redliche Geschäft der E-Mail-Marketing-Firmen unter anderem durch ihre schwarzen Listen und die "Verbreitung falscher Tatsachen".

Die Klage kommt ausgerechnet wenige Tage vor einem wichtigen Kongress zum Thema, der von der US-Handelsbehörde ausgerichtet wird und dessen Ergebnisse die US-Gesetzgebung maßgeblich beeinflussen könnten.

Möglicherweise ein Bumerang

Steve Linford vom "Spamhaus Project" glaubt unterdessen nicht, dass der Prozess angestrengt wurde, um wirklich gewonnen zu werden. Er geht davon aus, dass er die Anti-Spam-Organisationen schlicht Zeit, Energie und Geld kosten soll.

Dass die Klage in Florida eingebracht wurde, ist aber kein Zufall: Der US-Bundesstaat hat sich wegen seiner laxen Gesetze zuf unerwünschten Werbesendungen zum Zentrum der US-Spammer entwickelt.

Linford sieht allerdings auch Chancen, den Prozess umzudrehen und für die vermuteten Spammer hinter EmarketersAmerica zu einem Bumerang zu machen: Die Anwälte der Anti-Spam-Organisationen könnten eine Gegenklage einreichen und dadurch Einsicht in die Geschäftsunterlagen der Spammer erhalten.

Angeblich 180 Probleme

Linford geht prinzipiell davon aus, dass 90 Prozent des weltweiten Spams von rund 180 besonders aktiven Spammern ausgeschickt werden:

Spamflut kaum aufzuhalten

Das amerikanische "Center for Democracy and Technology" [CDT] hat unlängst eine Studie über praktischen Möglichkeiten zur Verhinderung von Spam-Mails veröffentlicht.

Unter dem Titel "Why Am I Getting All This Spam?" beobachteten die Forscher dafür sechs Monate lang, über welche Wege Spam-Versender an E-Mail-Adressen herankommen.

Das ernüchternde Ergebnis: Veröffentlicht man seine E-Mail-Adresse auch nur einmal irgendwo im Internet, führt das meist zu einer Spamflut im Postkasten.