Spammer verklagen Anti-Spammer
Der anscheinend ewige Kampf zwischen Spammern und Anti-Spam-Initiativen geht in eine neue Runde: Die frisch gegründete Organisation "EmarketersAmerica" hat in Florida zahlreiche Anti-Spam-Gruppen verklagt und fordert 75 Mio. USD Schadenersatz.
EmarketersAmerica wurde vom Anwalt Mark E. Felstein ins Leben gerufen, zu dessen Klienten der notorische Spammer Eddy Marin gehört. Unter den Beklagten befinden sich unter anderem das Spamhaus Project und Spews.org.
Laut der Klage behindern die Anti-Spam-Organisationen das redliche Geschäft der E-Mail-Marketing-Firmen unter anderem durch ihre schwarzen Listen und die "Verbreitung falscher Tatsachen".
Die Klage kommt ausgerechnet wenige Tage vor einem wichtigen Kongress zum Thema, der von der US-Handelsbehörde ausgerichtet wird und dessen Ergebnisse die US-Gesetzgebung maßgeblich beeinflussen könnten.
2002 war ein Rekordjahr, was Spam betrifft. Inzwischen wird geschätzt, dass 30 Prozent der in Umlauf befindlichen Mails zu dieser lästigen Kategorie zählen.
Die lästigsten Spam-Mails 2002Möglicherweise ein Bumerang
Steve Linford vom "Spamhaus Project" glaubt unterdessen nicht, dass der Prozess angestrengt wurde, um wirklich gewonnen zu werden. Er geht davon aus, dass er die Anti-Spam-Organisationen schlicht Zeit, Energie und Geld kosten soll.
Dass die Klage in Florida eingebracht wurde, ist aber kein Zufall: Der US-Bundesstaat hat sich wegen seiner laxen Gesetze zuf unerwünschten Werbesendungen zum Zentrum der US-Spammer entwickelt.
Linford sieht allerdings auch Chancen, den Prozess umzudrehen und für die vermuteten Spammer hinter EmarketersAmerica zu einem Bumerang zu machen: Die Anwälte der Anti-Spam-Organisationen könnten eine Gegenklage einreichen und dadurch Einsicht in die Geschäftsunterlagen der Spammer erhalten.
Zuletzt hat sich zu Beginn des Krieges im Irak die Zahl der Spam-Mails sprunghaft erhöht. Aber auch die Inhalte haben sich verändert: Nunmehr wird nicht mehr nur für "Arzneimittel" und dubiose Geschäftsideen geworben ¿ Spam-Mails werben nun auch für und mit dem Krieg.
Spam-Mails werben für und mit dem KriegAngeblich 180 Probleme
Linford geht prinzipiell davon aus, dass 90 Prozent des weltweiten Spams von rund 180 besonders aktiven Spammern ausgeschickt werden:
"Wenn wir diese 180 Spammer irgendwie vom Netz kriegen, blieben nur die Nigerianer und Firmen, die eher aus Versehen spammen. Das Problem würde sich in Luft auflösen", gibt er sich überzeugt.
Spamhaus: Die aktivsten SpammerSpamflut kaum aufzuhalten
Das amerikanische "Center for Democracy and Technology" [CDT] hat unlängst eine Studie über praktischen Möglichkeiten zur Verhinderung von Spam-Mails veröffentlicht.
Unter dem Titel "Why Am I Getting All This Spam?" beobachteten die Forscher dafür sechs Monate lang, über welche Wege Spam-Versender an E-Mail-Adressen herankommen.
Das ernüchternde Ergebnis: Veröffentlicht man seine E-Mail-Adresse auch nur einmal irgendwo im Internet, führt das meist zu einer Spamflut im Postkasten.
Will man die Werbesendungen verhindern oder zumindest verringern, kann man seine E-Mail-Adresse nur verschleiern oder gleich gar nicht veröffentlichen.
Spam-Flut kaum aufzuhalten
