ICANN will die Sowjetunion abschaffen
Denn die Länder-Domain .su existiert. Noch.
Die Internet-Adressverwaltung ICANN, die derzeit in Sao Paulo tagt, will mit den Überbleibseln nicht mehr existierender Staaten im DNS-System Schluss machen.
Bisher hatte die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers die Registrare von Länder-Domains [ccTLDs] nur freundlich darauf hingewiesen, dass sich etwa mit der Namensänderung von Zaire in Demokratische Republik Kongo auch die Bezeichnung des Landes im Netz von .zr auf .cd geändert hat. Nicht alle folgten den Empfehlungen der ICANN.
Kürzlich änderte die ICANN auch die Zuordnungen bestimmter Länder zu ihren fünf Verwaltungsregionen.
Die Reste der Sowjetunion
Die für die ccTLDs im DNS-Root-System zuständige ICANN-Unterorganisation IANA [Internet Assigned Numbers Autority] verfolgte die Politik, Länder-Domains aufgelöster Staaten nicht sofort neuen TLDs zuzuordnen, leider nicht durchgängig und mit dem nötigen Nachdruck.
Deshalb existiert unter anderem auch die ehemals mächtige Sowjetunion noch - und zwar als winzig kleiner Eintrag ihrer ehemaligen Länder-Domain .su im DNS-Root-Server.
Die ICANN folgt bei der Benennung von ccTLDs den Alpha-2-Codes der internationalen Norm ISO 3166-1.
Aus CSR wurde Serbien und Montenegro
Zu einer endgültigen Entscheidung, wie mit untoten Staaten im DNS umgegangen werden soll, ist die ICANN noch nicht gelangt. Probleme ergeben sich ausserdem daraus, dass es schon vorgekommen ist, dass ein neuer Staat die ccTLD eines alten zugewiesen bekommen hat.
Die Adresse der zerfallenen Tschechoslowakei [.cs] wurde nämlich vorübergehend Serbien und Montenegro [früher: .yu] übertragen - bis sich Serbien und Montenegro ihrerseits in .rs und .me trennten.
Bis zum 31. Januar 2007 will die ICANN in einem offenen Prozess über das Problem diskutieren und dann einen Abschlußbericht mit Lösungsempfehlungen veröffentlichen. Das dazugehörige Forum trägt den schönen Namen "cctld-sunset-comments".
