Tauschbörsen sind nicht aufzuhalten
Der "Umsatz" bei Tauschbörsen soll nach Aussage von Eric Garland, Gründers der Download-Monitoringfirma Big Champagne, bereits größer als jener der milliardenschweren Musikindustrie sein.
Der Wachstumstrend sei zudem im Grunde nicht zu stoppen. "Wir sehen nur einen Trend: Mehr Leute laden mehr urheberrechtlich geschütztes Material herunter."
Garland sagte dies anlässlich eines kalifornischen Senats-Sonderausschuss zur Unterhaltungsindustrie, der sich mit deren Bedrohung durch Online-Piraterie beschäftigt.
Anstatt den Trend, den er als verlorene Schlacht bezeichnete, zu bekämpfen und mit Klagen noch mehr Leute auf "kostenlose" Downloads aufmerksam zu machen, sollte die Unterhaltungsindustrie viel eher die digitale Distribution begrüßen und annehmen.
Die Angewohnheit Files über P2P-Netze runterzuladen sei weltweit "einzementiert", nur rund neun Prozent der US-Downloader glauben, dass sie dabei etwas unrechtes tun, so Garland weiter.
Downloader ohne schlechtes GewissenHälfte der Downloads ist Musik
Die Vertreter der Industrie lehnten den Vorschlag erwartungsgemäß größtenteils ab. Sie wollen weitere Anfechtungsklagen und Aufklärung, unter anderem ein neuer Kino-Werbespot gegen File-Sharing, vorantreiben.
Laut Garland sind in den USA die Hälfte aller heruntergeladenen Files Musik, fünf Prozent seien Filme und der Rest setzt sich aus Bildern, Games und Software zusammen.
Das Hearing zur Untersuchung von Online-Piraterie wurde einberufen, da die Verkäufe der zum großen Teil in Kalifornien ansässigen Musikindustrie einen beträchtlichen Rückgang erlebten. 2000 wurden 785 Millionen CDs und Kassetten verkauft, letztes Jahr nur noch 681 Millionen.
Während des Hearing installierte der Vorsitzende des Ausschusses zum Test den Kazaa Media Desktop Player und lud einige Songs sowie den gerade Oskar-prämierten Film "Chicago" herunter, der gerade in den heimischen Kinos angelaufen und noch nicht auf DVD erschienen ist.
Illegale Musik-Downloads nicht zu verhindernTauschbörsen sind schuld
Auch die Filmindustrie klagt über Umsatzeinbußen durch die Verfügbarkeit von Filmen in Tauschbörsen, bevor sie in die Kinos kommen. Mehr als ein Dutzend der Industrievertreter bezeichneten derartigen Download als Diebstahl und bedauerten die "ethischen Verfehlungen von ansonsten gesetzestreuen Tätern".
Laut Matthew Oppenheim, Vizepräsident der Lobby der US-Musikindustrie [RIAA], sind die fallenden Umsätze alleine auf die populäre Nutzung der P2P-Börsen zurückzuführen.
"Vor der massiven Nutzung von Napster hatte die Musikindustrie konstante Wachstumsraten von 20 bis 25 Prozent", so Oppenheim, der die Schließung von Napster vorangetrieben hat.
RIAA gegen Kazaa
Seitdem schießt sich die RIAA auf "Nachfolger" Kazaa ein, die
mittlerweile auch bezahlte Downloads als Gegenstück zu den "freien"
Downloads anbietet.
Kazaa klagt Musik- und FilmindustrieProblem ist hausgemacht
Phil Corwin, Kazaa-Lobbyist in Washington, meinte jedoch, dass die Umsatzeinbußen der Musikindustrie weniger mit Tauschbörsen als viel mehr mit dem versäumten Aufsprung auf veränderte Distributionsmethoden zu tun habe.
Große und kostenintensive Medien-Fusionen, das Ende des Umstiegs der Konsumenten von Vinyl auf CDs und der hohe Preis seien zudem mitschuld am Rückgang, so Corwin weiter.
