Anklage gegen ehemaligen Infineon-Chef

Kreise
09.01.2009

Schumacher wegen Bestechlichkeit im Visier

Die Staatsanwaltschaft München hat Justizkreisen zufolge Anklage gegen den ehemaligen Infineon-Chef Ulrich Schumacher erhoben. Schumacher würden Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr und versuchter Prozessbetrug zur Last gelegt, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Freitag zu Reuters.

Auch das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet online über die Anklage. Die Staatsanwaltschaft wollte sich zunächst nicht äußern.

Werbefirma zahlte für Geschäfte

Schumacher, der inzwischen den chinesischen Chipauftragsfertiger Grace Semiconductor führt, muss sich wegen mutmaßlicher Bestechungszahlungen durch einen früheren Geschäftspartner verantworten, der die Zahlungen zugegeben hat und im Herbst 2006 dafür zu vier Jahren Haft verurteilt worden war.

Auch der frühere Infineon-Vorstand Andreas von Zitzewitz hatte eingeräumt, Geld von dem Geschäftsmann angenommen zu haben, der beiden nach eigenen Angaben mehrere hunderttausend Euro im Rahmen von Motorsportspektakeln zufließen hatte lassen.

Im Gegenzug habe Schumacher dafür gesorgt, dass Infineon als Auftraggeber seiner Werbevermittlung gewogen geblieben sei.

Relikt aus Abfertigungsverhandlung

Den Anklagepunkt des versuchten Prozessbetrugs habe sich Schumacher eingehandelt, weil er im Zivilverfahren um einen Teil seiner 5,2 Millionen Euro schweren Abfindung erklärte, von dem Geschäftspartner niemals Geld angenommen zu haben, hieß es aus den Justizkreisen. Infineon hatte einen Teil der Abfindung eingefroren.

Schumacher war im März im Streit mit dem restlichen Vorstand - darunter der amtierende Infineon-Chef Peter Bauer - als Chef des Chipkonzerns zurückgetreten. Ein Sprecher von Schumacher erklärte, der Manager kenne "die vermeintliche Anklage nicht", da sie ihm nicht vorliege. Der ehemalige Infineon-Chef beteuere allerdings, niemals Geld angenommen zu haben.

Mehr zum Thema:

(Reuters)