Breitband für alle Deutschen bis 2012

STRATEGIE
20.11.2008

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will in den kommenden drei bis vier Jahren allen Bürgern einen schnellen Zugang zum Internet ermöglichen. So lautet das Fazit des nationalen IT-Gipfels.

Die derzeitige wirtschaftliche Stagnation müsse genutzt werden, um die Infrastruktur so auszubauen, dass es dann in Deutschland flächendeckend Breitband-Internet-Verbindungen gebe, sagte die Kanzlerin am Donnerstag auf dem dritten Nationalen IT-Gipfel in Darmstadt. Zudem könnten mit dem Ausbau der Breitbandnetze laut Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) bis zu 250.000 Arbeitsplätze entstehen.

Eine gute Infrastruktur sei die Basis für einen starken Wirtschaftsstandort, betonte auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Dörfer und Kleinstädte müssten dabei ebenso gut erschlossen sein wie Ballungsräume.

Ein Strategiepapier des Wirtschaftsministeriums, das zum IT-Gipfel veröffentlicht wurde, schlägt deswegen den Ausbau des leistungsstarken Glasfasernetzes sowie funkgestützter Breitbandnetze vor.

Ruf nach weniger Regulierung

Deutsche-Telekom-Vorstand Rene Obermann verwies darauf, dass das bisherige Kupferkabelnetz schon bald nicht mehr ausreiche, um den rasant wachsenden Datenverkehr im Internet zu bewältigen. Er bezifferte den Investitionsbedarf in Deutschland auf 40 bis 50 Milliarden Euro für die nächsten zehn bis 15 Jahre, europaweit seien es etwa 300 Milliarden Euro.

DT-Chef beklagt Überregulierung

"Wir brauchen eine Regulierung, die nicht noch mehr Geld aus dem Markt nimmt", forderte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Rene Obermann. Gerade auf europäischer Ebene müssten bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden. Bisher gebe es jedoch eine Überregulierung durch die EU-Kommission, die das Augenmerk auf populäre Preissenkungen für die Verbraucher lege. Das sei jedoch eine entscheidende Investitionsbremse.

Merkel signalisierte, dass sich die deutsche Bundesregierung in Brüssel weiter für eine weniger starke Regulierung des Telekommunikationsmarkts einsetzen werde. Die Investoren zum Ausbau des Breitbandnetzes stünden bereit, so dass sich die Kosten für den Staat voraussichtlich in Grenzen halten würden, sagte sie. Es gehe darum, spezifische, klug gewählte Anreize zu setzen und Investoren für ihren Mut zu belohnen.

Merkel verwies darauf, dass die IT-Branche in Deutschland mit 150 Milliarden Euro im Jahr eine höhere Wertschöpfung habe als Autoindustrie und Maschinenbau. Es gehe darum, dieses "Pfund an Fachkompetenz" nicht aus der Hand zu geben und noch mehr junge Menschen für Berufe in der Branche zu gewinnen.

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(dpa)