11.03.2003

CEBIT 2003

Bildquelle: ORF.at

"Ein bisschen Terror ist gut fürs Geschäft"

Die Stimmung im Vorfeld der Computermesse Cebit ist gedrückt. Die Ausstellerzahlen sind gesunken, der Irak-Krieg lastet auf der Konjunktur und damit auch auf den Geschäftsaussichten der High-Tech-Branche. Vor allem Firmen sparen bei Investitionen in neue Computer und Software.

Und auch das groß angekündigte Thema UMTS scheint auch dieses Jahr nicht den Messe-Durchbruch zu schaffen.

Einziger Lichtblick für die Branche ist derzeit der private Konsum: Produkte wie Digitalkameras, DVD-Player und Videospielkonsolen finden bei den Kunden trotz knapper Budgets reißenden Absatz.

"Es mag zwar zynisch klingen, aber ein bisschen Terrorismus ist gut für die Unterhaltungselektronik-Branche", meint etwa Gartner-Analyst Alexander Linden. Die Verbraucher schaffen sich demnach im Angesicht der Krise zu Hause eine Entspannungswelt, während sie beispielsweise auf kostspielige Fernreisen eher verzichten.

Ausstellerschwund

Die Veranstalter geben sich in diesem Jahr betont zurückhaltend: Eine Art "Basislager für den Aufschwung" sei die Cebit in diesem Jahr, heißt es in den Werbetexten der Messe Hannover.

Unter dem Eindruck der weltweit flauen Konjunktur ist die Zahl der Aussteller allerdings zum zweiten Mal in der 17-jährigen Geschichte als selbstständige Messe und im zweiten Jahr in Folge gesunken.

Erwartet werden nach Angaben der Deutschen Messe insgesamt 6.526 [Vorjahr: 7.264] Aussteller aus 69 [61] Ländern. Auch die Ausstellungsfläche in 26 Hallen ist mit 354.119 [397.008] Quadratmetern deutlich reduziert. Ungebrochen ist allerdings die internationale Ausrichtung der Cebit. Während die Zahl der inländischen Aussteller deutlich auf 3.702 [4.345] einbrach, fällt der Rückgang bei den ausländischen Anbietern mit 2.824 [2.919] unter dem Strich deutlich geringer aus.

Die Anforderungen an die Teilnehmer sind jedenfalls härter geworden: Technische Superlative ohne erkennbaren Mehrwert haben kaum Aussichten auf Erfolg. "Die [Business-] Kunden wollen nicht länger heiße Kisten und coole Technik", sagt Jörg Menno Harms, Vorsitzender der Geschäftsführung von HP Deutschland. "Sie wollen und müssen vielmehr Kosten senken." Die Kunden müssten überzeugt werden, dass sich Investitionen in Technologie auch rechneten.

Kameras, Handys und Games

Als Hoffnungsschimmer gilt angesichts der Zurückhaltung der Unternehmen bei IT-Investitionen der private Konsum:

Verkaufsschlager wie Digitalkameras, von denen im vergangenen Jahr allein in Deutschland rund 2,5 Millionen abgesetzt wurden, lassen die Branche hoffen, dass für Multimedia-Anwendungen durchaus gezahlt wird. Auch die Kombination Handy/Digitalkamera scheint bei den Kunden anzukommen.

Daneben erstaunt Experten angesichts der Konjunkturkrise auch der Boom bei DVD-Playern. Rund sieben Millionen stehen derzeit allein in deutschen Wohnzimmern - Tendenz steigend.

Eine ähnliche Entwicklung ist bei Videospielkonsolen zu beobachten, wo die Hersteller ihre Geräte nun für Online-Wettkämpfe aufrüsten. Schon heute ist mit den virtuellen Spielwelten mehr Umsatz zu machen als an der Kinokasse.

Aber auch der private Konsum könnte durch einen Irak-Krieg empfindlich einbrechen: Zwar könnte "ein bisschen Terrorismus" wirklich gut für die Unterhaltungselektronik-Branche sein, aber wenn sich die internationale Lage dramatisch zuspitzt, wird allgemein erwartet, dass sich auch die Verbraucher deutlich zurückhalten.