IT-Branche hofft auf "Impulsgeber Cebit"
Die Organisatoren der weltgrößten Computermesse Cebit geben sich entschlossen.
"Ein Auftritt ist in diesem Jahr so wichtig, weil jetzt die Zeit ist zu kämpfen. Wenn nicht jetzt, wann dann?" stellt Ernst Raue von der Deutschen Messe AG in den Raum. Er und Industrievertreter sprechen von Spannung in der Branche.
Allerdings ist die Stimmung in diesem Jahr ganz anders als zu Zeiten des Wachstums mit zweistelligen Raten vor drei, vier Jahren. Die weltweite Konjunkturflaute hat die ansonsten so rosige Industrie rund um die Informationstechnologie auf den harten Boden zurückgeholt. Besserung wird frühstens 2004 erwartet.
Leichtes Umsatzplus
In diesem Jahr geht der deutsche Branchenverband BITKOM von einem
kaum spürbaren Umsatzplus von 0,4 Prozent auf 136,5 Milliarden Euro
aus. Schon 2002 hatte die erfolgsverwöhnte Industrie anders als
erwartet den Rückwärtsgang eingelegt. "Spätestens 2004 geht es
wieder nach oben", prophezeit der zweite BITKOM-Vizepräsident Willi
Berchtold. "Aber auch da gehen wir eher von einem bescheidenen
einstelligen Wachstum aus", schränkt er ein.
BITKOMCebit schrumpft um 20 Prozent
Die Cebit in Hannover ist und bleibt für die Branche der Hoffnungsschimmer - auch wenn sie mit rund 6.500 Ausstellern aus 69 Ländern fast 20 Prozent kleiner ist als 2002. "Die Cebit ist immer ein einzigartiger Impulsgeber für Innovationen und Investitionen", sagte Berchtold. "Und die Branche hat diesen Impulsgeber für Investitionen noch nie so dringend gebraucht wie 2003."
Sorgen bereitet der Industrie auch die Aussicht auf zusätzliche Kosten. Diese drohen bei Abgaben auf Drucker und PCs, durch die Umsetzung der Altgeräterichtlinie oder neue Sicherheitsauflagen in der Telekommunikation.
Gleichzeitig wird die Entwicklung vor allem des deutschen IT-Markts inzwischen von ausländischen Fachleuten fast ungläubig beobachtet. "Für uns besteht derzeit die größte Chance darin, den Marktanteil in Deutschland zu steigern - in einem stagnierenden Markt für Informationstechnologie." Für neue Investitionen sei das Land "weniger und weniger wettbewerbsfähig".
Verstärkte Telekom-Investitionen
Dieses Urteil fällt Carly Fiorina, Vorstandschefin des US-Computerriesen Hewlett-Packard. Zwar rechnet auch sie mit einem auf Dauer geschwächten Plus der Branche. "Wir werden niemals mehr zu den Wachstumsraten von 20, 30 oder 40 Prozent zurückkehren." Doch will sie in ihrem Unternehmen um sieben bis neun Prozent jährlich zulegen.
Davon sind die meisten IT-Unternehmen weit entfernt, in Deutschland beispielsweise gehen gerade 8,2 Prozent von ihnen in diesem Jahr von einem mehr als zehnprozentigen Plus aus. Berchtold verweist auf Lichtblicke: "Wir haben im Jahr 2002 mit Internet- und Online-Diensten in Deutschland 6,4 Milliarden Euro umgesetzt und erwarten 2003 mehr als 7,4 Milliarden Euro. Das entspricht dem gesamten Volumen der Unterhaltungselektronik."
Die Investitionen in der Telekommunikation zögen ohnehin wieder an.
Messe-Manager Raue ist vor der CeBIT angesichts der Nervosität und Spannung mit Prognosen vorsichtig. Er rechnet mit "mehr als 600.000 Besuchern". 2002 waren es noch 674.000, erstmals seit sechs Jahren deutlich weniger als 700.000.
Diesmal würden wieder die Topentscheider aus den wichtigsten Unternehmen weltweit nach Hannover kommen, meint er. Die Cebit habe inzwischen teilweise den Charakter eines "Workshops des Topmanagements".
