Handys sollen Nutzern Manieren beibringen
Das Handy hat sich in den letzten Jahren vom teuren Kommunikationsgerät für Geschäftsleute zum ständigen Begleiter für jedermann gemausert.
Doch obwohl seine Primärfunktion eine soziale ist, es ermöglicht die Kommunikation mit anderen Personen, empfinden viele unfreiwillige Zuhörer von mehr oder weniger wichtigen, aber meist lautstarken Telefonaten das ständige Gebimmel und Geplapper als nervtötend und asozial.
Eine britische Design-Firma will nun allzu redselige Handybenutzer mit speziell entworfenen Mobiltelefonen "Social Mobiles" wieder zu mehr Rücksicht im Alltag erziehen.
Sechs Prozent wollen immer und überall telefonieren
Eine Studie von LetsTalk.com zeigt, dass vor drei Jahren noch 11
Prozent der Handynutzer kein Problem damit hatten im Kino einen
Anruf entgegen zu nehmen. Mittlerweile ärgern sich immer mehr User
über solch unangebrachte Gespräche und nur noch sechs Prozent pochen
auf ihr uneingeschränktes Recht immer und überall zu telefonieren.
LetsTalk.comElektroschocks und non-verbale Kommunikation
Ideo, die für das Design des Palm V-Handhelds und des TiVo-Videorecorders verantwortlich sind, hat fünf Prototypen entworfen, die das Verhalten ihrer Nutzer durch teilweise recht forsche Maßnahmen zum Positiven beeinflussen sollen.
Das erste Handy "SoMo1" erzieht seinen Nutzer durch leichte Elektroschocks, die bei zu lautem Telefonieren automatisch abgegeben werden. Dies soll sowohl den Anrufer als auch den Angerufenen dazu motivieren, leiser zu sprechen. Wird die Lautstärke trotzdem nicht reduziert, wird aus dem leichten Kribbeln schließlich ein unangenehmer starker Schlag.
Das zweite Modell "SoMo2" ist für Plätze und Situationen gedacht, an denen das Telefonieren grundsätzlich nicht angebracht ist. Man kommuniziert bei diesem Modell nicht verbal, sondern kann via Joystick und Knöpfen einen Sprachsynthesizer steuern, der dann kurze Laute wie "Yeah", "Hmm" oder "No" erzeugt. So soll ein kurzer, lautloser Meinungswechsel möglich sein.
Das Modell für Musikalische
Die dritte Variante "SoMo3" ähnelt in Aussehen und Funktion am
ehesten einer Klarinette. Gewählt wird, indem man auf dem Gerät eine
bestimmte Tonfolge abspielt. Die Designer hoffen darauf, dass man
sich durch diese musikalische Erschwernis jeden Anruf lieber zweimal
überlegt.
Alle Ideo-Design-Studien im ÜberblickWer klopfet an? und das Wort-Katapult
Auch beim vierten Prototyp "SoMo4" hört man kein Klingeln. Dieses wird durch ein Klopfen ersetzt, das dem Angerufenen signalisieren soll, wie dringend das Telefonat ist.
Um zu telefonieren, wählt man die Telefonnummer und klopft auf die Rückseite des Handys, wie bei einer herkömmlichen Tür. Die Person am anderen Ende hört dieses Klopfen und kann dann je nach Klopfstärke und Hartnäckigkeit [von leichtem Pochen bis zu lautstarkem Hämmern] entscheiden, ob und wie dringend er abheben will.
Modell fünf hat sich wohl jeder Kinogänger schon einmal gewünscht. "SoMo5" ermöglicht es, Gespräche anderer durch eine Art Wort-Katapult zu unterbrechen. Phrasen wie "Shut up!" können dem lautstark Telefonierendem unbemerkt elektronisch in das Gespräch geschleudert werden.
New York will Handys von öffentlichen Veranstaltungen
verbannen
Auch in New York will man Vieltelefonierern künftig das Leben
erschweren. Der New Yorker Stadtrat hat einen Gesetzesentwurf
eingebracht, nach dem der Gebrauch von Handys bei öffentlichen
Veranstaltungen verboten werden soll. Bürgermeister Michael
Bloomberg machte zwar von seinem Vetorecht Gebrauch, den
Gesetzesentwurf abzuwehren, doch dieses Veto will wiederum der
Stadtrat durch einen Mehrheitsbeschluss übergehen.
Bloomberg gegen radikales HandyverbotSoll Diskussion anheizen
Die Prototypen der Ideo-Designer sind natürlich nicht dafür gedacht, jemals Serienreife zu erlangen und kommerziell vermarktet zu werden.
Vielmehr soll dadurch einfach die öffentliche Missgunst zum Ausdruck gebracht und die Diskussion rund um gute Manieren beim Telefonieren angeheizt werden.
Denn User-freundliches Design mag zwar in vielen Fällen am wichtigsten sein, bei der Entwicklung von Mobiltelefonen sollte man jedoch auch auf die Mitmenschen Rücksicht nehmen.
