14.01.2003

LUFTHANSA

Bildquelle: PhotoDisc

Erstes Flugzeug mit Internet-Zugang

Heute hebt die Boeing "Sachsen-Anhalt" der Lufthansa mit Ziel Washington ab. Erstmals können dann Passagiere in 10.000 Meter Höhe E-Mails abrufen und im Netz surfen.

Die Passagiere dieses Fluges können dazu ihren eigenen oder einen ausgeliehenen Laptop nutzen. "Eine Weltpremiere", betont Airline-Sprecher Michael Lamberty. Drei Monate lang soll das Surfen kostenlos bleiben.

Danach wird es zum kostspieligen Vergnügen: Die Luftlinie kalkuliert mit einer Gebühr von 30 Euro pro Flug. Da das die Kosten möglicherweise nicht deckt, rechnen Experten mit steigenden Ticketpreisen.

Antenne richtet sich nach Satelliten aus

Die hinter dem typischen "Jumbo-Buckel" angebrachte Antenne muss auch bei Geschwindigkeiten von 900 Stundenkilometern, Kurven, Steig- und Sinkflug immer punktgenau auf den Satelliten in 36.000 Kilometer Höhe über dem Äquator ausgerichtet sein, sonst bricht die Verbindung ab. Möglich wird das durch die Verbindung mit dem Navigationssystem des Cockpits.

Nehmen die Kunden das Internet-Angebot an, plant die Lufthansa den Einbau in etwa 80 Maschinen auf Langstreckenflügen weltweit.

Angesichts des Verhältnisses von Aufwand und Nutzen sieht Professor Hartmut Fricke vom Institut für Luftfahrt in Dresden auch beim Internet-Zugang das Marketing-Argument im Vordergrund: "Ich glaube nicht, dass der Preis ausschlaggebend ist."

Vielmehr sollen die lukrativen Geschäftskunden der Airline die Treue halten. Da das Geld dennoch wieder reinkommen muss, rechnet Fricke zukünftig mit höheren Preisen zumindest für die First und Business Class. "Da fällt es am wenigsten auf." Ob die kritische Masse der Nutzer erreicht wird, damit sich die Investition trägt, bezweifelt der Experte.

Die Lufthansa zeigt sich naturgemäß zuversichtlicher: Eine umfangreiche Befragung aus dem Jahr 2001 habe klar das große Interesse der Kundschaft am Internet an Bord gezeigt, heißt es. Insbesondere Geschäftsreisende waren demnach bereit, für dieses Service zu zahlen.

"In wenigen Jahren Weltstandard"

"Was wir heute als Weltpremiere erleben, ist vermutlich in wenigen Jahren Weltstandard", sagte der stellvertretende Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber in Frankfurt.

Von Mitte 2004 an sollen alle rund 80 Langstreckenflugzeuge mit dem System "FlyNet" ausgerüstet werden.

Nach Angaben des Flugzeugbauers Boeing, der die Spezialantenne entwickelt hat, wollen in den nächsten Monaten auch British Airways und die skandinavische SAS ein schnelles Internet-Angebot an Bord anbieten.