17.11.2002

T-JUBILÄUM

T-Aktie feiert traurigen 6. Geburtstag

Am sechsten Geburtstag der T-Aktie haben die Aktionäre kein Grund zum feiern.

Neben dramatischen Kursverlusten müssen sie nun die nächste bittere Pille schlucken. Nach dem bislang höchsten Verlust eines Unternehmens im Deutschen Aktienindex DAX streicht das Management die Dividende für 2002.

"Die T-Aktie hat für Deutschland eine nationale Bedeutung wie keine andere", erkannte schon Ex-Deutsche-Telekom-Chef Ron Sommer. Diese war dann auch die Ursache für den Rausschmiss des einst gefeierten Managers.

Aufstieg und Fall

Der Börsengang am 18. November 1996 gilt als Initialzündung für die neue Aktienkultur in Deutschland. "Die Telekom hat durch ihre Öffentlichkeitsarbeit die Aktie ins Bewusstsein der Deutschen gerückt", betont Franz-Josef Leven, Direktor beim Deutschen Aktieninstitut [DAI].

Der Einstiegspreis von 28,50 DM [14,57 Euro] explodierte im Taumel der Begeisterung für moderne Technologien in nicht einmal vier Jahren auf den historischen Höchststand von 103,50 Euro. Heute dümpelt die Aktie Lichtjahre davon entfernt bei elf Euro.

Doch es folgte ein böses Erwachen: Die Börsenkurse brachen weltweit ein. Bei der Telekom schlugen - neben schmilzenden Gewinnen - viel zu hoch bewertete Immobilien zusätzlich ins Kontor.

Aufgebrachte Aktionäre brachten die ersten Strafanzeigen gegen die Konzernspitze auf den Weg. Die Enttäuschten hegten den Verdacht, die Führungsetage habe schon viel früher von den Immobilienproblemen gewusst.

Für einen weiteren Tiefschlag sorgte im August 2001 die Deutsche Bank. Das Kreditinstituts empfahl die Aktie zum Kauf. Wenig später verkaufte das Geldhaus im Auftrag eines Großaktionärs ein riesiges Paket von rund 44 Millionen Papieren. Kurz darauf wurde bekannt, dass der finnische Konzern Sonera vor Ablauf seiner Haltefrist in aller Heimlichkeit 22 Millionen Aktien abgestoßen hatte - mit Wissen der Telekom.

Erstmals einen Tag vor den Anschlägen des 11. Septembers 2001 in den USA fiel der Aktienkurs unter den Ausgabepreis. Der Unmut der Anleger erreichte seinen vorläufigen Höhepunkt, als das Management einerseits die Dividende kürzte, sich selbst aber eine kräftige Gehaltserhöhung genehmigte. Auf der Hauptversammlung 2002 entludt sich die Empörung in Buhrufen und Tiraden gegen Ron Sommer.