Europaweite Allianz für mobiles Bezahlen
Die Mobilfunk-Unternehmen Vodafone und T-Mobile werden einem Zeitungsbericht zufolge bei ihrem geplanten Standard für das Zahlen per Handy die spanische Telefonica und die Mobilfunktochter von France Telecom, Orange, mit ins Boot holen.
Orange und Telefonica führten Gespräche in fortgeschrittenem Stadium mit Vodafone und der Telekom-Tochter T-Mobile, berichtete die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Kreise.
Beide Unternehmen wollen sich demnach dem Standard für das "Mobile Payment" anschließen. Die Gespräche sollen "in wenigen Wochen" abgeschlossen sein.
Bis Ende des Jahres wollen die Mobilfunk-Unternehmen eine gemeinsame Plattform starten, die später auch von anderen Netzbetreibern genutzt werden kann. Dabei soll die Technologie des inzwischen Pleite gegangenen Software-Unternehmens Brokat zum Einsatz kommen. Die Stuttgarter Brokat AG hatte in der Vergangenheit bereits Großaufträge von T-Mobile und Vodafone erhalten, musste aber im November 2001 wegen Überschuldung Insolvenz anmelden. Der Geschäftsbereich für das elektronische Bezahlen per Handy wurde für 28 Millionen Euro an das amerikanische Unternehmen eONE Global verkauft und in Encorus Technologies umbenannt. Encorus ist nun der Partner der beiden Mobilfunk-Unternehmen für ihre Initiative.
Brokat wird abgewickeltKeine Dementis
T-Mobile und Vodafone lehnten gegenüber der Zeitung einen Kommentar zu den Verhandlungen ab. Ein Orange-Sprecher sagte, er könne die Verhandlungen nicht bestätigen, sein Unternehmen begrüße aber Standards der gesamten Industrie.
Andere Mobilfunk-Unternehmen hatten sich bereits früher positiv zu dem Vorstoß der beiden Marktführer geäußert.
Vodafone und T-Mobile hatten auf der Technologiemesse CeBIT im März angekündigt, gemeinsam ein neues Zahlungssystem für Mobilfunkkunden einführen zu wollen.
Es solle Ende des Jahres zunächst in Deutschland und Großbritannien gestartet werden. Die beiden Mobilfunk-Unternehmen haben zusammen in Deutschland und Großbritannien mehr als 60 Millionen Kunden.
Kooperation als ÜberlebensstrategieAngriff auf Paybox
Mit ihrem Standard für das Bezahlen per Handy machen sie vor allem dem deutschen Marktführer Paybox Konkurrenz, der diese nach eigener Einschätzung aber längst hinter sich gelassen hat.
Paybox zählt derzeit in Europa 750.000 Kunden, 600.000 davon in Deutschland. Die Deutsche Bank ist mit 50 Prozent an dem Unternehmen beteiligt, das seinen Dienst im Mai 2000 in Deutschland startete.
In Österreich ist die Mobilkom Austria mit 49 Prozent an Paybox Austria beteiligt.
Mobilkom beteiligt sich an Paybox
