23.08.2002

BERTELSMANN

Zurück zum Zustand vor Middelhoff

Um den einzelnen Konzernbereichen wieder größere Entscheidungsfreiheit einzuräumen, will der neue Bertelsmann-Vorstandschef Gunter Thielen die von seinem Vorgänger Thomas Middelhoff eingeführten zentralen Steuerungsgremien abschaffen und Stellen streichen.

Der Vorstand habe Veränderungen für Struktur und Organisation des Unternehmens beschlossen, um die dezentrale Struktur des Medienkonzerns zu stärken.

Wie viele Arbeitsplätze konzernweit wegfallen, wurde bislang nicht gesagt. Branchenkreisen zufolge sollen Stellen im hohen zweistelligen Bereich gestrichen werden. Betroffen ist vor allem die Gütersloher Konzernzentrale, wo derzeit etwa 450 Mitarbeiter tätig sind. Weltweit beschäftigt der fünftgrößte Medienkonzern der Welt nach eigenen Angaben rund 80.000 Menschen.

Zurück in die Zukunft

Der für Übernahmen zuständige Bereich Bertelsmann Capital [BeCapital], das "Corporate Executive Council", das bislang dem Vorstand zuarbeitet, und der persönliche Stab des Vorstandschefs ["Office of the Chairman"] sollen aufgelöst werden, heißt es in einem Brief Thielens.

Betroffen seien auch die Sparten Bertelsmann Content Network, Corporate Development und Corporate Communications. "Diesen schwerwiegenden Einschnitt bedauere ich sehr", heißt es laut "Financial Times Deutschland" in dem Schreiben. "Aber Dezentralisation bedeutet auch: Wir müssen die Arbeit vermehrt direkt in den Bereichen und Firmen erledigen."

Thielen zufolge sollen die Unternehmensbereiche künftig über ein hohes Maß an Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit verfügen. Ein neues so genanntes Executive Board Council unter Leitung Thielens werde die Arbeit der einzelnen Bereiche unterstützen. Mit der neuen Organisationsform, die zügig umgesetzt werden solle, werde Bertelsmann schlagkräftiger und könne schneller auf Veränderungen im Markt reagieren.