Teure Tricks mit Mehrwertnummern
Wie die fuZo berichtete, wird seit kurzem unter einer 0900-Telefonnummer nicht näher definierte "stilvolle Musik" als "Hörgenuss" in Aussicht gestellt. Kostenpunkt: sechs Cent pro Sekunde.
Dabei wird [völlig unverbindlich] eine Rückerstattung von [bis zu] 88 Cent pro Minute versprochen. Die Prämie kann also, wenn sie überhaupt ausgezahlt wird, nur dann attraktiv sein, wenn jemand anderer die Telefonrechnung bezahlt.
Zu dieser fuZo-Story sind von Konsumentenschützern und beteiligten Unternehmen Stellungnahmen eingelangt.
Was bisher geschah
Bis zum Erreichen der 88-Cent-Prämienstufe muss man im selben
Monat 2592 Euro vertelefoniert haben. Laut Hörgenuss-Website wird in
Kürze auch ein Dialer zum Download zur Verfügung stehen: "Ein
weiterer Vorteil ist die verbesserte Qualität. Umfangreiche
Hörgenuss-Tests haben ergeben, dass der Hörgenuss am Computer,
bedingt durch hochwertige akustische Komponenten, subjektiv
wesentlich besser ist."
Neuer "Spaß" mit Mehrwertnummern"Badeausrüstung für Südpolexpedition"
Hannes Spitalsky vom VKI [Verein für Konsumenteninformation] sagte zu diesem Angebot, es sei so angelegt, dass man bei Verwendung des eigenen Telefons "geistig schwach angelegt sein" müsse, und weiter:
"Das kommt nur für Betrug oder einen bösen Scherz in Frage. Es hat aber sehr kurze Beine, da man ja seine Kontonummer angeben muss. Es gibt da so viele Dinge, die das Ganze als Unsinn deklarieren, dass das für jemanden Normalen nicht nutzbar ist. Allein schon "Hörgenuss" über Telefon ..."
Darüber hinaus wies er darauf hin, dass das Angebot der Auszahlung einer Prämie sehr wage sei.
Allerdings zeigte sich Spitalsky gespannt bezüglich des Erfolges eines solchen Businessmodells: "Wenn sich bei der Registrierung echte Adressen ergeben, sind die sicher sehr wertvoll. Denen kann man Badeausrüstung für eine Südpolexpedition verkaufen."
"Vielzahl von Alternativen"
Ungefähr ein Drittel der 3,63 Euro pro Minute gehen an die
Telekom Austria. Diese teilte der futureZone in einer Stellungnahme
mit: "[Es ist] in einem Telekommunikationsnetz grundsätzlich
möglich, Mehrwertdienste zu betreiben. Neben der Telekom Austria
bieten eine Vielzahl von alternativen Netzbetreibern diesen Dienst
an."
Die AGB der TA für 0900 und 0930-Anbieter [PDF]Die TA im O-Ton
"Mehrwertdienstbetreiber, die Vertragspartner der Telekom Austria
sind, haben als Vertragsbasis allgemeine Geschäftsbedingungen, an
welche sich diese zu halten haben. Zusätzlich dazu gibt es einen so
genannten Verhaltenskodex, der Bestandteil dieser AGBs ist. Sowohl
die Telekom Austria als auch der Mehrwertdienstbetreiber haben sich
an die Vereinbarung zu halten. [...] Eine festgestellte
Überschreitung dieser Bedingungen oder ein entsprechender Bescheid
einer Verwaltungsbehörde bzw. ein Gerichtsurteil würden zur Sperre
des Mehrwertdienstes und zur Vertragsauflösung führen."
Der Verhaltenskodex [PDF]Spam im Usenet
Der Provider der Webauftritte des "Hörgenuss"-Dienstes wie auch der dahinter stehenden Unternehmen ist Inode. Auch die Spams, mit denen der Dienst beworben wurde, wurden über einen Inode-Server ins Usenet gespeist
Christian Klauss von Inode, stellte in einem E-Mail klar: "Wir zeichnen nicht verantwortlich für den Content der Mailings unserer Kunden und zensieren deshalb nicht.
Inode verurteilt die Geschäftemacherei über Spam-Mails, es liegt jedoch nicht in ihrem Ermessen, rechtliche Schritte zu unternehmen. Dies obliegt den zuständigen Behörden bzw. den betroffenen Kunden."
Von den zuständigen Behörden liegen der futureZone bis dato noch keine Stellungnahmen vor.
Tarifzonensperre
Um vor unliebsamen Überraschungen bei Erhalt der Telefonrechnung
zumindest teilweise gefeit zu sein, kann man bei der Telekom Austria
[kostet ein Mal 4,36 Euro], European Telecom [kostenlos] und einigen
anderen Direktprovidern eine so genannte Tarifzonensperre einrichten
lassen. Anrufe zu Telefonnummern, die mit 0900 und 0930 beginnen,
sind dann vom jeweiligen Anschluss aus nicht mehr möglich.
Tipps des Regulators
