20.06.2002

PENNYSTOCK

Bildquelle: CT

"Alle spekulieren mit CyberTron-Insolvenz"

Spekulationen über eine mögliche Insolvenz haben der Aktienkurs des Wiener Telekombetreibers CyberTron auch heute ins Bodenlose fallen lassen.

Im bisherigen Handelsverlauf stürzte der Titel erstmals unter die Ein-Euro-Marke. Am frühen Nachmittag notierten CyberTron bei 81 Cent und damit um knapp 41 Prozent unter dem gestrigen Schlusskurs [1,30 Euro].

Schon am Dienstag und Mittwoch war der Telekomwert um 18 bzw. 14 Prozent abgestürzt. An der Börse wird CyberTron trotz der jüngsten Kursverluste aktuell noch mit rund 13 Millionen Euro bewertet.

Konkurrent und Gläubiger

Im ersten Quartal 2002 hat das Unternehmen vor Abschreibungen einen Betriebsgewinn geschrieben. Für das Gesamtjahr 2002 werden vom Vorstand erstmals schwarze Zahlen in Aussicht gestellt.

Der Schuldenberg von rund 60 Millionen Euro [Derzeit das Vierfache der Marktkapitalisierung] dürfte den Anlegern jedoch ein Dorn im Auge sein. Den Gesamtschulden des Unternehmens standen per Ende des ersten Quartals liquide Mittel in Höhe von 3,4 Mio. Euro gegenüber:

"Alle spekulieren mit einer Insolvenz"

Eine Sprecherin der Telekom Austria [TA] hatte am Mittwoch bestätigt, dass CyberTron trotz mehrfacher Mahnungen einen Teil der Rechnungen nicht bezahlt habe, Verhandlungen jedoch noch im Laufen seien.

"Das hat der Aktie wenig geholfen. Alle spekulieren nun mit einer Insolvenz", so ein Marktteilnehmer. Ein anderer Händler vergleicht die aktuelle Situation der CyberTron-Aktie mit einem Lotteriespiel: "Wenn eine positive Meldung herauskommt, dann könnte sich die Aktie verdoppeln. Bei einer negativen Mitteilung jedoch weiter ins Bodenlose fallen."

Die künftige Kursentwicklung liegt jetzt ganz in den Händen der TA. Langfristig orientierten Anlegern raten Händler aber weiterhin: "Hände weg von der CyberTron-Aktie." Der Titel sei nun ein reines Spekulationsobjekt und berge "sehr hohe" Risiken, hieß es. Sollte die TA tatsächlich auf der Zahlung der offenen Forderungen bestehen, dann werden CyberTron-Aktien "wohl innerhalb von wenigen Minuten noch tiefer in den Keller stürzen", zeigte sich ein Händler pessimistisch.

Kundenverluste

Auf Grund von "Abrechnungsdifferenzen" zwischen der TA und Cybertron kam es am Dienstag zu einer kurzfristigen Sperre der Leitungen:

"Diese Vorgangsweise der Telekom kam für mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel", so Unternehmenssprecher Christian Forstner. Warum die TA, mit der Cybertron eigentlich "seit Jahren eine gute Geschäftsbasis" habe, plötzlich so reagierte, dafür habe er "keine Erklärung".

"Wir müssen nun versuchen, in Ruhe zu einer gemeinsamen Gesprächsbasis mit der Telekom zu finden", so Forstner. Er gehe aber davon aus, dass es zu einer Lösung kommen werde.

Er gehe weiters davon aus, dass der Dienstag nicht ohne Folgen geblieben ist und bereits Cybertron-Kunden abgesprungen sind. Auch das Ziel, in diesem Geschäftsjahr erstmals schwarze Zahlen zu schreiben, sei nun wieder gefährdet.

Von Seiten der TA gab es keinen Kommentar: "Wir verhandeln gerade mit Cybertron und können derzeit nichts sagen", hieß es auf Anfrage lapidar.