Media Player von Windows trennen
EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti bereitet nach einem Zeitungsbericht strenge Auflagen gegen Microsoft vor: Der Konzern soll laut "informierten Kreisen" gezwungen werden, den Windows Media Player [WMP] vom Betriebssystem Windows zu lösen, schreibt die "Financial Times Deutschland".
Die Überlegungen in der EU-Kommission sind demnach aber noch in einer Frühphase. Derzeit studierten die EU-Beamten eine Stellungnahme von Microsoft.
Die Kommission wollte sich zu den Angaben laut Zeitung offiziell nicht äußern. Sie hatte ihr Kartell-Verfahren im letzten Herbst auf die Frage ausgedehnt, ob der Konzern den WMP illegal mit Windows verknüpft.
In Europa sind zwei Kartellverfahren gegen Microsoft anhängig. Das erste wurde 1998 auf Grund von Beschwerden des MS-Konkurrenten Sun aufgenommen. Es geht dabei um die angebliche Vorenthaltung von Informationen, die Schnittstellen von Servern zu Windows betreffen. Das zweite Verfahren wurde im Februar 2000 eröffnet und soll klären, ob "Windows 2000" Microsoft einen regelwidrigen Vorteil bei E-Commerce-Anwendungen verschafft.
Media-Player im Visier der KartellwächterNeuauflage des Browserkrieges
Die Trennung des Media Players von Windows ist auch eine Hauptforderung im US-Kartellprozess gegen Microsoft. Hier wird prinzipiell gefordert, dass eine modulare Version des Betriebssystems bereit gestellt wird, in die Anwendungssoftware des Konzerns nicht mehr zwingend integriert ist.
Die neun noch klagenden US-Bundesstaaten haben vor rund einer Woche eine E-Mail vorgelegt, die beweisen soll, dass Microsoft im Bereich der Media-Player gegen seinen Hauptkonkurrenten Real Networks die gleiche Strategie verfolgen soll, wie im "Browserkrieg" gegen Netscape. Dabei hatte MS seinen Internet Explorer durch die Verknüpfung mit Windows zum führenden Browser gemacht.
Die E-Mail scheint auf jeden Fall zu beweisen, dass diese Vorgehen im Konzern diskutiert wurde - Microsoft-Manager Will Poole, verantwortlich für "Windows New Media Platform", hatte dem jedenfalls nichts entgegen zu setzen.
Am dritten und letzten Tag seiner Einvernahme im Wetrtbewerbsprozess musste Microsoft-Begründer Bill Gates unlängst eingestehen, dass eine modulare Version des Betriebssystems für PCs auf der Basis von Windows XP Embedded grundsätzlich machbar sei.
Modulares Windows grundsätzlich möglichVorführung abgeblasen
Die klagenden US-Bundesstaaten haben unterdesssen die Vorführung einer "modularen" Version des Betriebssystems Windows abgeblasen, die die zuständige Richterin Colleen Kollar-Kotelly erst Anfang der Woche erlaubt hatte.
Nach Ausssagen der Klagevertreter ist die Vorführung eigentlich gar nicht nötig, da der Sachverhalt ohnehin durch die Zeugenvernehmungen klar dargestellt sei.
Außerdem wollen die Kläger weitere Verzögerungen vermeiden, nachdem Microsoft angekündigt hatte, dass eine Reaktin auf die Vorführung gründlich vorbereitet werden müsse.
Richterin Kollar-Kotelly zeigte sich über die Programmänderung in letzter Minute allerdings nicht amüsiert.
Richterin will modulares Windows ansehen
