16.04.2002

ANSICHTSSACHE

Bildquelle: orf on

Microsoft "lernt von Open Source"

"Wir lernen von Open Source", äußerte sich der Microsoft-Programmmanager Jason Matusow jetzt in einem ganz neuen Tonfall gegenüber der Nachrichtenagentur AP und unterstreicht damit die vorsichtigen Wende des Konzerns in der Frage des Einblicks in Programmcodes.

Skeptische Beobachter vermuten aber lediglich einen PR-Trick, der dem Konzern im laufenden Kartellverfahren ein besseres Image verschaffen soll.

Microsoft hat allerdings tatsächlich damit begonnen, einigen Großkunden und Fachleuten für umfassende Systemlösungen den Zugang zum Windows-Code zu ermöglichen. Mit diesen Kenntnissen können diese ihre eigenen Anwendungen so anpassen, dass sie sicherer und reibungsloser unter Windows laufen.

Im US-Kartellverfahren gegen Microsoft wollen die neun klagende US-Bundesstaaten zudem erreichen, dass Microsoft auch den Quellcode für den Internet Explorer offen legt - das ist bisher allerdings noch nicht in Sicht.

Unfruchtbarer Streit

Mit Aussagen wie "Open Source zerstört das Urheberrecht" hat Microsoft bisher regelmäßig die Konfrontation mit der Open-Source-Bewegung gesucht.

Mit dieser scharfen Pauschalkritik habe sich das Unternehmen allerdings in die Rolle des bösen Buben begeben, analysiert Al Gillen vom Marktforschungsinstitut IDC:

GPL immer noch extrem gefährlich

Erhebliche Probleme hat Microsoft aber nach wie vor mit der "General Public License" [GPL] der Bewegung für freie Software. Denn diese will nicht nur "sicherstellen, dass die Software für alle Benutzer frei ist".

Zugleich soll auch garantiert sein, dass die Weiterentwicklung einer der GPL unterstehenden Software den gleichen Bedingungen unterworfen wird und somit nicht kommerziell ausgeschlachtet werden kann.

Wenn Software nicht mehr kommerziell vertrieben werden könne, beeinträchtige dies das gesamte Geschäftsmodell der Software-Branche, kritisiert Matusow.

Bande von Freiwilligen

"Das größte Problem mit der GPL ist ihr Potenzial, die Erträge von Anbietern proprietärer Software zu untergraben", meint die Urheberrechtsanwältin Dana Hayter in San Francisco.

Der Geschäftsführer der Stiftung für freie Software [FSF], Bradley Kuhn, wendet jedoch ein, dass auch mit Dienstleistungen rund um Open-Source-Software Geld verdient werden kann: