Bio- soll IT-Industrie aus der Flaute bringen
Angesichts schwindender Absätze glauben Computerhersteller, mit dem rechenintensiven Anwendungsfeld der Biotechnologie den Multimilliarden-Dollar-Markt gefunden zu haben, der sie aus der Flaute bringen wird.
"2001 sind in medizinischen Laboratorien weniger Petri-Schüsseln und Teströhren als Computer gefragt. Diese werden für molekulares Design, für die Auswertung von Giften und für die Beobachtung von Proteinen benötigt", so Cal Stiller, Geschäftsführer des 250 Millionen USD schweren kanadischen Medical Discoveries Fund.
Bis 2004 Markt von 30 Millionen USD
Der weltgrößter Computerhersteller IBM glaubt, dass Geschäfte mit Biotechnologie bis 2004 einen jährlichen Umsatz von 30 Milliarden USD erwirtschaften werden. Und Compaq ist bereits über Celera Genomics am Genom-Projekt beteiligt, verantwortlich für deren informationstechnische Infrastruktur, die zur Erstellung der Genom-Karte eingesetzt wird.
Canadian Medical Discoveries FundNeue Algorithmen für Proteine
Mit der Dekodierung des menschlichen Genoms hat die Medizin eine neue Herausforderung erhalten: zu verstehen, wie die Interaktion von Proteinen Krankheiten erzeugen oder den Körper gesund halten.
Für die Untersuchung von Proteinen bedarf es komplexerer Verfahren als bei der Dekodierung des menschlichen Genoms. Proteine interagieren mit ihrer Umgebung und Drogen und verändern sich somit ständig.
"Die Zukunft ist die Fusion der wissenschaftlichen Disziplinen. Protein-Studien sind 1.000 Mal so aufwendig wie Genom-Studien - die Information lebt, es benötigt dauernd neuer Algorithmen für ihre Analyse", so Frank Gleeson, Geschäftsführer der kanadischen MDS Proteomics.
Anforderungen wie bei Nuklearwaffen-Simulation
"Die Anforderungen, welche die Biologie an Supercomputer heutzutage stellt, sind vergleichbar mit den Anforderungen, die Ingenieure mit der Simulation von Nuklearwaffen an Programmierer gestellt haben", so Ty Rabe, Compaqs Direktor für Hochleistungs-Computing.
Interdisziplinäre Wende in der Medizin
"Die Selbstverständlichkeit, mit der Computer an der Produktion von Handys und Autos beteiligt sind, wird sich allmählich auch auf die Produktion von Medizin, Chemikalien und Nahrung ausweiten", kommentiert Rabe die interdisziplinäre Wende in der Medizin.
