Reichweitenjagd im digitalen Pay-TV

"TRIPLE PLAY"
29.03.2006

Mit einem Kampfpreis von 14,90 Euro/Monat für die Fußball-Bundesliga will Unity Media den deutschen Pay-TV-Markt erobern. Das österreichische Online-Wettbüro Betandwin schnürt weltweit gerade die Rechtepakete der deutschen Bundesliga für TV, Internet und Mobilfunk im "Triple Play".

Das Kabel-TV-Konglomerat Unity Media, das hinter dem neuen deutschen Pay-TV-Anbieter Arena steckt, hat Furore auf den bis dahin eher verschlafenen deutschsprachigen Markt für digitales Bezahlfernsehen gebracht.

Erst schnappte man dem bis dahin fast unangefochten agierenden Marktführer Premiere die Senderechte der deutschen Fußball-Bundesliga weg.

Am Montag dieser Woche ging man nun mit einem Kampfpreis von 14,90 Euro/Monat für die Live-Spiele der Bundesliga an die Öffentlichkeit. Das ist weniger als die Hälfte des Preises, den Premiere in Deutschland bis jetzt dafür verlangt.

Mit 250 Millionen Euro bezahlte Unity auch den Löwenanteil für die Senderechte, 100 Mio. die ARD ["Sportschau"], das ZDF [Zweitverwertung im "Sportstudio"] sowie der Sportsender DSF. Die Verbindung [Uplink] des Arena-Bezahl-TV zu den Astra-Satelliten stellt samt der notwendigen Verschlüsselungstechnik der österreichische Funkdienstleister ORS, eine ORF-Tochter.

Betandwin vermarktet weltweit

Mit Betandwin ist in Sachen digitaler Vermarktung der deutschen Bundesliga ebenfalls ein völlig neuer Player - allerdings von Österreich aus - damit beschäftigt, sein Angebot auszubreiten.

Der Internet-Wettanbieter aus Gibraltar mit Sitz in Wien hat die weltweiten Auslands-Übertragungsrechte im "Triple Play" für die deutsche Bundesliga erworben: Vermarktung im TV, Internet und über Mobiltelefon.

"... verschiedene Matches auch frei"

Zusammen mit The Sportsman, einer internationalen Vermarktungsagentur, sei man gerade dabei, für einzelne Länder unterschiedliche Kombinationsangebote zu entwerfen, hieß es von Betandwin auf ORF.at-Anfrage. Naturgemäß hat der kleine österreichische Markt dabei nicht oberste Priorität.

Alle Angebote würden rechtzeitig vor dem Start der Liga im August bekannt gegeben, heißt es weiter. Genaueres ließ man sich nicht entlocken, außer dass auf "bestimmten Märkten verschiedene Matches auch frei" zu sehen sein würden.

Erhöhung der technischen Reichweite

Acht Millionen Kunden werden die Matches allein in den Kabel-TV-Netzen von Unity Media empfangen können, vornehmlich in Großstädten von Stuttgart über Hannover und Berlin bis Rostock.

Dazu wurde ein kompletter Transponder [mehrere TV-Kanäle] auf 19,2 Grad Ost gemietet, in der Astra-Flotte, die den mitteleuropäischen Satellitenhimmel dominiert. Premiere sendet von ebendort.

In Deutschland ist wiederum noch ungeklärt, wie viele in deutschen Haushalten bereits vorhandene Sat-Receiver und Set-Top-Boxen tauglich für den Empfang der Arena-Ausstrahlungen sind.

Zum gewählten, aber in Deutschland noch relativ schwach verbreiteten Verschlüsselungssystem Cryptoworks wird noch mindestens ein weiteres kommen, das die Arena-Signale entschlüsseln kann.

40 Prozent des deutschen Sat-Empfänger-Markts hält die Firma Technisat, deren Geräte CONAX-Verschlüsselung standardmäßig beherrschen.

Multicrypt als Lösung

Der von Unity Media gewählte österreichische Sat-Dienstleister ORS bietet Multicrypt-Verschlüsselung an, die verschiedene Systeme wie Cryptoworks, CONAX aber auch Nagravision [Premiere] etc. parallel beschicken kann.

Das heißt, die Reichweite kann deutlich über die von der Deutschen Bundesliga geforderten 40 Prozent der deutschen Haushalte hinaus erhöht werden.

Unity-Partner TechniSat hat wiederum angekündigt, für alle Sat-Receiver und Set-Top-Boxen, die über den weit verbreiteten Standardsteckplatz [Common Interface Slot] verfügen, ein Kombinationsmodul mit Betacrypt/CONAX auf den Markt zu bringen.

Mehr über die US-Investorengruppen, die hinter der rasanten Expansion von Unity Media stecken, deren Pläne und deren Rivalen im "Triple Play" über Kabel-TV-Netze lesen Sie im nächsten Teil der Serie zu digitalem Pay-TV.

(futurezone | Erich Moechel)