Datenübertragung geht unter die Haut

Skinplex
29.03.2006

Die menschliche Haut wird als Datenkabel der Zukunft gesehen. Als erste Anwendung könnte die Haut im Auto für die Übertragung von Daten genutzt werden. Berührt der Fahrer das Auto, öffnet sich das Schloss.

Das deutsche Unternehmen Ident Technology entwickelt seit Jahren neue Möglichkeiten der Kurzstrecken-Datenübertragung.

Die Technik Skinplex nutzt dabei die menschliche Haut als Übertragungsmedium. Mittels elektrischer Signale können Daten über die Haut von einem Sender zu einem Empfänger gesendet werden.

Nun wird die Skinplex-Technologie erstmals von deutschen Automobilherstellern getestet.

Ein simpler Fingerzeig könnte nach den Vorstellungen der Hersteller den Autoschlüssel ersetzen sowie zur Steuerung von Bedienelementen, Klimaanlage und Navigationsgerät eingesetzt werden. Das berichtet wissenschaft.de.

Chipkarte im Börsel

Der Autofahrer müsste dazu lediglich eine elektronische Chipkarte in der Geldbörse oder der Hosentasche tragen. Die Berührung des Türgriffs öffnet sodann das Schloss.

Gesundheitlich unbedenklich

Die Intensität der Signale bei der Übertragung über die Haut ist mit etwa 30 Nanoampere geringer als bei einer quarzgesteuerten Armbanduhr und für den Menschen vollkommen unbedenklich.

Genaue Gestenerkennung

Mit der Weiterentwicklung namens GestIC wird zudem mehr Freiheit bei der Signalübertragung möglich.

Durch Wegziehen oder Annähern des Fingers kann dabei der Zoom auf einem Navigationsdisplay eingestellt werden. Das Display muss zu diesem Zweck mit vier Senoren an den Ecken ausgestattet sein, um die veränderte Feldenergie bei Annäherung und Entfernung messen zu können.

Die Reichweite der Sensoren beträgt etwa 30 Zentimeter, die Genauigkeit etwa fünf Millimeter.

Faust oder offene Hand

Laut "EETimes Germany" ist die Technik auch in der Lage, zwischen greifender und zeigender sowie schneller und langsamer Bewegung zu unterscheiden.

Damit könnte künftig ein breites Spektrum von Gesten zur Steuerung von Geräten genutzt werden.

Per Handschlag Visitenkarten austauschen

Der Ansatz, die Haut als Leitmedium zu nutzen, ist keineswegs neu. Bereits im Jahr 1996 hatte das MIT gemeinsam mit IBM den Prototypen "PAN" [Personal Area Network] entwickelt, mit dem Menschen ihre elektronischen Vistitenkarten per Händedruck austauschen konnten. Der Telekom-Konzern NTT DoCoMo arbeitet derzeit an der Marktreife dieses Systems.

Linux-basiertes Skinplex-Smartphone

In Kooperation mit dem schweizerischen Hersteller ImCoSys hat Ident Technology ein Linux-basiertes Smartphone entwickelt, das die Skinplex-Technologie unterstützt.

Funktionen wie Zutrittskontrolle, Überwachung von Wertobjekten und authorisierte Bedienung sind damit möglich.

Dafür muss das Smartphone nur am Körper getragen werden. Je nach Applikation beträgt die Fernwirkung von Skinplex bis zu drei Meter.

(futurezone | wissenschaft.de | EETimes.de)