09.12.2001

MATRIX FORUM

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Open Source ist mehr als Quellcode

"Software ist genau wie Wissen, wenn ich Wissen weitergebe, weiss ich ja dadurch nicht weniger", so Georg Greve, Präsident der "Free Software Foundation Europe".

Der Erfolg von Linux hat bewiesen, dass Freiheit, Offenheit und Gemeinschaft funktionieren. Und das in einem Technologiefeld, das den Kern der digitalen "Wissensgesellschaft" bildet und somit Austragungsort eines scharfen Wettbwerbs ist. Wo Probleme sich stellen, finden sich Leute, die eine "Open Source" Lösung ausprobieren.

Ob in der Wissenschaft, in der Kultur oder im Journalismus - der freie Geist breitet sich aus.

Free Software Foundation

Der Pionier der "Freien Software-Bewegung" ist Richard Stallman, der bereits 1984 mit der Arbeit an einer freien Unix-Alternative, dem sogenannten GNU-System begann. Der Name GNU steht für "GNU is Not Unix" und gehört zu den vielen rekursiven Akronymen, bei denen einer der Buchstaben für das Akronym selbst steht. Eine Art Insider-Witz, den außer Informatikern kein Mensch versteht, schreibt Linus Torvalds in seiner Autobiographie "Just for Fun. Wie ein Freak die Computerwelt revolutionierte."Die europäische Schwesternorganisation der "Free Software Foundation" wurde erst in diesem Jahr ins Leben gerufen. Ziel der Interessensvertretung ist es, die Idee der

Template für die Wissensproduktion?

Dass "Open Source" heute für mehr als "offenen Quellcode" steht, davon ist Volker Grassmuck überzeugt. Der Sozialwissenschafter an der Humboldt-Universität in Berlin erforscht die "Geschichte und Mechanismen freier Software". Die zentrale Frage lautet: Ist die "Freie Software" eine Art Template für die Wissensproduktion?

Ein anschauliches Beispiel für das, was ausser Programmcode in offener Weise im Netz ensteht, sind Enzyklopädien. Auch dabei geht es um einen Gesamtkorpus, der in sich offen ist.

Vor allem das in der wissenschaftlichen Kritik eingesetzte "Peer Review" Verfahren könnte vom

Modell der Programmierer profitieren. So kann sich am "Bug-Fixing" jeder beteiligen. Die Arbeitsabläufe sind dennoch effizient, so Volker Grassmuck.

Biologisches Microsoft?

Wie essentiell die Open-Source Idee für die gesamte Menscheit sein kann, führt die Verschmelzung von Informatik und Genetik drastisch vor Augen. Bei vielen geschützten Programmen, deren Quellcode geheimgehalten wird, geht es bereits um genetisches Wissen, um die Programme unseres Lebens.

Einen Höhepunkt erreichte der Wettlauf mit den privaten Genjägern bereits im Vorjahr, als das

amerikanische Unternehmen Celera einen Endspurt hinlegte und vor dem "Human Genom Project" die Veröffentlichung des menschlichen Bauplans propagierte.

Die Frage, die in diesem Zusammenhang immer wieder auftaucht: Wer darf was patentieren?

Werden private Firmen in Hinkunft Patente über menschliches Leben ihr eigen nennen dürfen oder wird der Biocode zur Open Source?

Ein biologisches Microsoft kann sich die Welt jedenfalls nicht leisten, so Tim Hubbard, der die

Sequenzanalyse des menschlichen Genoms am Sanger Center in Cambridge leitet. Ein OpenSource-Genom-Annotationsprojekt soll nun die Arbeit des weltweiten Zusammenschlusses öffentlich finanzierter Genforschungsinstitute, effizienter gestalten.

Linux ist erfolgreich, weil viele an einem Strang ziehen. Das ist, Bill Gates wird nicht müde, dies zu betonen, zutiefst unamerikanisch. Bis jetzt zumindest ist die Welt am give-away Prinzip nicht zugrunde gegangen. Im Gegenteil, der freie

Geist breitet sich aus. Enzyklopädien, Bildungsmaterialien, Theorieprojekte, Literatur, Musik, selbst Open-Law und freie Hardware folgen dem neuen Prinzip der kollektiven Wissensproduktion. Wie und ob die Open Source Bewegung die