03.12.2001

HINTERGRUND

Bildquelle: APA

Das Funk-Tarnnetz der Taliban

Die von internationalen Hilfsorganisationen als Quasi-Standard verwendeten Funksysteme einer Firma aus dem australischen Hinterland dürften auch in der Kommunikation der Taliban eine wichtige Rolle spielen.

Trotz der mehr als dürftigen Nachrichtenlage gibt es immer mehr Indizien dafür [siehe unten], dass dieses System vor allem aus Tarnungsgründen verwendet wird.

Diese ursprünglich für den Einsatz im australischen Busch entworfenen Kommunikationsysteme der Firma Codan [Adelaide] arbeiten quer über den Kurzwellenbereich [zwei bis 30 MHz], sind einfach zu bedienen und als äußerst robust bekannt.

"High-speed data mode"

Über diese der konventionellen Telefonie recht ähnlichen Netze lassen sich auch Daten transportieren. Spitzenwert dieses "High-speed data mode" ist nach Angaben des Herstellers allerdings eine Übertragungsrate von sechs Kilobit/sec [GSM maximal 9,6].

Realistisch in diesem "schmutzigsten" aller Wellenbereiche - von elektrischen Geräten aller Art bis zu Gewittern wird die Kurzwelle aus vielen Quellen massiv gestört - sind Raten von um die tausend Bit.

Ungeschützt, aber getarnt

Geschützt ist diese Kommunikation allerdings nicht. ARQ ist ein offener Standard, die "Single Sideband Band" [SSB]-Modulation [im Unterschied zu AM wird nur die "halbe" Amplitude moduliert] beherrscht jedes bessere Kurzwellengerät.

Eine Verschlüsselung "on the air" ist weder bei Sprache noch bei Datenfunk vorgesehen, womit der Codan-Funk inhaltlich eine relativ einfache Beute für das ECHELON-System der Amerikaner ist.

Warum die Taliban ausgerechnet diese der US-Aufklärung aus Einsätzen im Kosovo und Mazedonien bestens bekannten Funkssysteme verwenden und keines der anderen Produkte mit "On the air"-Verschlüsselung?

Codan-Radios für plündernde Taliban

Wenn das Signal dem Gegner zweifelsfrei zuzuordnen ist. Dass dies den US-Truppen Anfangs nur schwer gelang, würde den wochenlangen Stillstand zu Beginn des Krieges erklären, zumal die Taliban zum Teil mit Geräten operieren, die von Hilfsorganistionen geraubt wurden.

Funk-Mimikry hat funktioniert

Wenigstens in einem Fall ist mittlerweile nachgewiesen, dass diese Funk-Mimikry der Taliban bis zu einem gewissen Grad funktioniert.

Am 8. Oktober wurde das in einem Dorf nahe Kabul gelegene Gebäude der Afghan Technical Consultants - eines technischen Hilfswerks, das im Auftrag der UNO operiert - durch einen Marschflugkörper vollständig zerstört.