Italiener boykottieren Volkszählung
Während in Österreich die Diskussion um die Verwendung der Volkszählungsdaten tobt und Deutschland die umstrittene Erhebung gar nicht durchführen will, gehen die Italiener einen dritten Weg und lassen sich schlicht nicht vollständig zählen:
Bereits zum zweiten Mal musste jetzt die Frist für den Abschluss der Volkszählung um zwei Wochen verlängert werden.
Nun sollen bis spätestens Mitte Dezember die ausgefüllten Formulare beim statistischen Zentralamt in Rom sein. Ursprünglich hätte der alle zehn Jahre fällige "Censimento" schon Mitte November abgeschlossen sein sollen.
Die größten Probleme sind dabei bisher in den großen Städten aufgetreten, berichteten italienische Medien.
Die Bundesrepublik Deutschland wird sich an der für dieses Jahr von der Europäischen Union geplanten "großen Volkszählung" erst gar nicht nicht beteiligen. Der deutsche Bundestag billigte vielmehr die Absicht der Regierung, die notwendigen Bevölkerungsdaten weitgehend aus den vorhandenen Melderegistern zusammenzutragen.
"Kleine Volkszählung" in DeutschlandObjekte und Zähler fehlen
Den größten Rückstand weist derzeit Neapel auf, wo erst rund die Hälfte der Bevölkerung gezählt werden konnte. Viele Menschen seien bisher nicht auffindbar gewesen, auch Nachbarn hätten nicht weiter helfen können, beklagten sich die insgesamt knapp 100 000 Zähler.
"Der Italiener ist immer außer Haus", kommentierte die Tageszeitung "Corriere della Sera". "Ein Wettlauf gegen die Zeit", schrieb die "Repubblica".
Aber auch die Zähler selbst tragen zur Verzögerung bei: Etliche von ihnen haben wegen der großen Schwierigkeiten einfach aufgegeben.
Experten bezweifeln nach dem bisherigen Verlauf der Zählung jetzt auch die Aussagekraft der gesammelten Daten. Dabei kann insbesondere das "Verweigerungsgefälle" zwischen den Städten und den ländlichen Regionen die Daten für Statistiken unbrauchbar machen.
Streit um Datenverwendung
In Österreich wird unterdessen über die Verwendung der hierzulande weitgehend reibungslos gesammelten Daten gestritten.
Dabei stand zuletzt die "zentrale Bildungsevidenz", die ab 2003 über den Bildungsstand jedes Einzelnen Auskunft geben soll, in der Kritik.
Aber auch die Anfechtung der Angaben zu Hauptwohnsitzen mittels Reklamationsverfahren hat den Protest von Datenschützern hervorgerufen.
Nationalrat beschloss Bildungsevidenz
