Medizinische Fernbetreuung via Handy
Auf der weltgrößten Medizinfachmesse "Medica", die derzeit in Düsseldorf stattfindet, besteht ein Trend in Systemen, welche die "Telepflege" mittels Handys ermöglichen sollen.
Eine Kombination aus Kamera, Handy und Internet soll beispielsweise Krankenhausaufenthalte nach einer Operation erheblich reduzieren. Seit wenigen Wochen läuft an den Bochumer Uni-Kliniken ein Telemedizin-Forschungsprojekt, das bei Testpersonen die Arztvisite durch eine "Tele-Visite" ersetzt.
Die medizinischen Daten werden vom Patienten selbst ermittelt und von zu Hause online an die Klinik geschickt. "Die Patienten sind begeistert, dass sie in ihrem heimischen Umfeld genesen können", kommentiert der Bochumer Chirurg Bernhard Clasbrummel.
Für den flüchtigen Blick auf die Wunde und die Frage nach dem Befinden bei der Visite ist ein Krankenhausaufenthalt nach Clasbrummels Meinung nicht unbedingt erforderlich. Mit einer Digitalkamera macht der Patient stattdessen ein Bild der behandelten Körperstelle. Das Foto wird dann per Mobilfunk in die Klinik übertragen. An einem tragbaren Bildschirm beantwortet der Patient darüber hinaus täglich Fragen zu seinem Befinden. Bei Bedarf kann eine Bildtelefon-Schaltung zum Arzt aufgebaut werden. Nur wenn Komplikationen auftreten, muss der Patient zurück in die Klinik.
MedicaEigenverantwortung und Kosten
Der Technikeinsatz erhöht die Eigenverantwortung der Patienten, darüber ist sich Clasbrummel im Klaren. Diese Art der Telemedizin sei daher keinesfalls für alle Menschen geeignet.
Wer sich den Umgang mit der Technik zutraue, könne sich jedoch die Genesungszeit erheblich "verschönern".
Sollte das laufende Forschungsprojekt in wenigen Jahren erfolgreich abgeschlossen und großflächig in die Praxis umgesetzt sein, kämen allerdings zunächst einmal Kosten auf die Krankenkassen zu.
Heute kosten die Geräte pro Einheit rund 5.100 Euro. In Serienproduktion könnte sich der Preis aber auf 1.250 Euro vermindern. Durch kürzere Krankenhausaufenthalte könnten die Kassen diese Investitionen schnell wieder hereinholen. "Es reicht aus, wenn ein Prozent aller Patienten mitmacht", sagt Clasbrummel.
Mit Hilfe eines "elektronischen Tastkissens" sollen Ärzte zukünftig sogar die Organe eines Patienten erfühlen können, ohne sie direkt in ihren Händen zu haben.
Haptische Displays für FerndiagnosenBlutdruckdaten via Handy
Das deutsche Start-up Vitaphone präsentiert unterdessen mit "VasoPhone" ein System, mit dem Blutdruckdaten kontinuierlich per Handy an einen Firmenserver und im Notfall auch an den behandelnden Arzt gesendet werden.
Ermittelt werden die Werte mit einem speziellen und "hoch präzisen" Blutdruckmessgerät, das wie eine Armbanduhr um das Handgelenk gelegt wird.
Im Anschluss an die Messung werden die Blutdruckdaten und die Pulsfrequenz per Bluetooth auf ein entsprechendes Handy übertragen. Dieses sendet sie dann automatisch zur Dokumentation und Auswertung an das mit Internisten und Kardiologen besetzte "Vitaphone Service Center".
"Wir ersetzen weder den Haus- noch den Facharzt, sondern schaffen eine für Patienten und Ärzte sinnvolle Ergänzung", erklärte dazu der Kardiologe Stefan Sack, Oberarzt an der Universitätsklinik Essen und Vitaphone-Gesellschafter.
Vitaphone
