Microsoft muss ran an den Kunden

Service
14.03.2006

Mit Web-Services und Online-Werbung will Microsoft in Zukunft wieder stärker wachsen und mehr verdienen. Doch dafür muss der Konzern umdenken, auf Kundenwünsche eingehen und Service bieten.

Wer mit Computern zu tun hat, kommt über kurz oder lang an dem US-Konzern Microsoft nicht vorbei. Software wie Windows und Office, aber auch Hardware sorgen bei dem Hersteller seit Jahren für sicheren und konstant steigenden Umsatz und Gewinn, allerdings ohne große Sprünge.

Daher verschrieb sich Microsoft vor kurzem der Live-Strategie, eine Reihe von Web-basierten Services, die für neue und vor allem stärker wachsende Einnahmemöglichkeiten sorgen sollen.

Software mieten statt kaufen

Die Idee dahinter ist, dass die User je nach Bedarf ihren Zugang zu der Online-Software mieten oder die Services gegen Werbeeinspielungen auch gratis beziehen können.

Damit versucht Microsoft einerseits mit der derzeitigen Entwicklung Schritt zu halten und anderseits der stetig steigenden Konkurrenz durch Google die Stirn zu bieten.

Konkurrenz aus dem eigenen Haus

Gleichzeitig riskiert Microsoft aber auch, seine eigenen Produkte zu kannibalisieren. Zudem begibt sich der Hersteller auf ein von ihm bis dato nicht gerade gut bedientes Feld: dem schnellen Service für den Nutzer.

Das Live-Angebot reicht von der Online-Suche, Web-basiertem Freemail und Instant Messenger bis hin zu Office Live - eine Erweiterung des Office-Pakets um Internet-Funktionen.

"Zerstörerische Service-Welle"

In einem Memo an die Mitarbeiter meinte MS-Gründer Bill Gates Ende Oktober, dass man nun schnell und entschieden handeln müsse, berichtet die "LA Times". Es stehe eine grundlegende Veränderung an. Jeder Teil der Firma müsse die Realität des Marktes annehmen: "Die kommende 'Service-Welle' wird sehr zerstörerisch sein", so Gates.

Vor allem Google und seine zahlreichen kostenlosen und populären Angebote setzen Microsoft unter Druck. Kontinuierlich stellt Google neues Services vor, die nicht zuletzt darauf abzielen, Google auf dem Desktop und bei den Nutzern fest zu verankern – und Microsoft zu verdrängen.

Ein Stück vom Werbekuchen

Googles Angebote werden größtenteils über Online-Werbung finanziert, Microsoft hingegen muss seine Kunden meist mit viel Einsatz davon überzeugen, auf neue und kostenpflichtige Software umzusteigen.

Mit der Werbung macht Google zudem auch Gewinn und von diesem großen Kuchen der Online-Werbung will nun auch Microsoft ein ordentliches Stück haben.

Microsofts hauseigenes Angebot AdCenter befindet sich allerdings noch im Teststadium. Bisher verlässt sich Microsoft noch größtenteils auf Yahoo, erst ein Viertel der Online-Werbung wird selbst verkauft.

Umdenken erfoderlich

Microsofts Online-Abteilung MSN generierte im letzten Geschäftsjahr mit Online-Werbung einen Umsatz von 1,4 Milliarden US-Dollar, Google und Yahoo jeweils sechs bzw. 4,6 Milliarden. Laut Nielsen/NetRatings verzeichnete Google in den letzten sechs Monaten 14 Prozent mehr Klicks auf bezahlte Sucheinträge, Yahoo sogar 21.

Um in der Gunst der Nutzer genauso weit aufzusteigen wie Google, muss sich Microsoft auch entsprechend anstrengen. So einfach wie zuletzt mit Netscape 1995 dürfte es diesmal nicht werden, ein mittlerweile deutlich größeres Unternehmen mit 40 Mrd. Dollar Umsatz und 60.000 Mitarbeitern in über 100 Ländern umzuschwenken.

Wenn sich Microsoft auf Web-Services spezialisieren will, muss sich der Hersteller auch mit der Wartung und Beratung von Software tiefer gehend auseinander setzen, ein Feld, das Microsoft bisher vor allem anderen Anbietern und Wiederverkäufern überlassen hatte.

Große Anbieter wie IBM und Oracle hingegen verdienen schon länger gut mit solchen Leistungen.

Microsoft braucht Kundennähe

Weiters muss Microsoft auch auf die Wünsche der Kunden näher eingehen und schnell darauf reagieren – bisher brauchen Entwicklungen aus dem Hause Microsoft oft Jahre, bevor sie auf den Markt kommen und zeichen sich meist durch große Komplexität aus.

Die Zögerlichkeit von Microsoft ist durchaus verständlich: Mit einem Totalschwenk auf Web-Services setzt der Hersteller seine Umsatzbringer Windows und Office und damit sich selbst einem nicht zu unterschätzenden Risiko aus.

Bei all dem hat der Anbieter aber auch einen Vorteil: Mit 50 Milliarden US-Dollar auf der hohen Kante könnte man auch innovativer an die Dinge herangehen und mehr ausprobieren.

(futurezone | LA Times | Reuters)