Selbsthilfe gegen Überwachung
Die in der kurzen Geschichte der digitalen Kommunikation einmalige Überwachungswelle, die nun im dritten Monat über den Globus rollt, zeigt ihre Wirkung langsam aber sicher auch im Netz.
Dem erhöhten Sicherheitsbedürfnis auch der "normalen" Benutzer, das sich in Mailing-Listen, Weblogs, Chats aber auch in Mails an die FutureZone äußert, soll mit dieser, in loser Folge erscheinenden FuZo-Serie Rechnung getragen werden.
Dazu stellen wir eine Reihe von neuen, aber auch bewährten Programmen und Services zum Selbstschutz gegen Überwachung vor, die [auch für nicht versierte User/innen] einfach zu installieren und zu handhaben sind.
"Die dumme Ironie an der Geschichte ist, dass George Bush die Anschläge vom elften September als Anschlag auf die Freiheit bezeichnet hat. Gleichzeitig schränken er und seine Marionetten eure Freiheit ein, wie es die Taliban nie zu Wege gebracht hätten." Das ist der Grund, warum David McNab das Instant Messaging Programm PSST geschrieben hat, das seit heute, Samstag, in Version 0.1.2 alpha für Windows und Linux gratis erhältlich ist.
Das spartanische Manual von PSSTWie PSST funktioniert
Von herkömmlichen "Peer to Peer Chat" Programmen [AOL Instant Messaging oder MS Messenger], die direkte Kommunikation zwischen zwei Computern ermöglichen, unterscheidet sich PSST gleich mehrfach.
Auf Grund der extrem kurzen Entwicklungsgeschichte kommt PSST weitgehend "ohne Quasteln" oder Komfortfunktionen aus, hat winzige 58 Kb und ist von der DOS-Kommandozeile [bzw. Linux Bash] auch für Anfänger extrem einfach zu bedienen.
Unsichtbar für den Benutzer wirkt im Hintergrund starke Verschlüsselung in Form so genannter "Session Keys", die für jede Sitzung neu generiert werden.
Nichts speichern
Weder Schlüssel noch die Konversation selbst werden irgendwo
gespeichert, das Tool hinterläßt weder einen Eintrag in die
Registry, noch benötigt man dafür Administratorenrechte. Wer PSST
hinter einer Firewall benutzt, muss allerdings dafür sorgen, dass
Port 4516 für eingehenden Verkehr geöffnet ist, ansonsten ist es
relativ einfach, auf einen anderen Port auszuweichen, der offen ist.
Screenshot einer KonversationSchlüssel leider unbekannt
Da die "Session Keys" dem User weder bekannt sind, noch gespeichert werden, können sie auch den Behörden auf Verlangen nicht ausgeliefert werden, wie es etwa der britische "Regulation of Investigatory Powers Act" [RIP] vorsieht.
Diese und andere Gesetze, schreibt McNab, seien Motivation genug gewesen, um PSST zu schreiben und gratis in's Netz zu stellen.
Da das Programm unter der GNU Public License erscheint, wird der Quellcode von PSST auch offen gelegt. Gerade bei einem relativ kurzen und damit übersichtlichen Source Code wie jenem von PSST ist der Einbau geheimer "Hintertüren" praktisch ausgeschlossen.
Zudem können mißtrauische Entwickler das Programm direkt aus dem Source Code selbst neu kompilieren.
