12.11.2001

PLEITE-KANDIDAT

Brokat-Sanierung droht zu scheitern

Die Sanierung des angeschlagenen Softwareunternehmens Brokat droht endgültig zu scheitern.

Die Gläubiger einer Hochzinsanleihe des Unternehmens konnten sich bis zur außerordentlichen Hauptversammlung am Montagabend nicht auf die vom Vorstand vorgeschlagenen Rettungsmaßnahmen einigen, der Verkauf eines Geschäftsbereichs in die USA wurde daher gestoppt.

Gleichzeitig meldete Brokat Überschuldung an. Kommt eine Einigung mit den Bondholdern nicht zu Stande, müsste Brokat demnach in spätestens drei Wochen Insolvenz anmelden.

Letzte Anstrengung

Der Vorstand werde "alle noch verbleibenden Alternativen ausloten", versprach der amtierende Vorstandschef Stefan Röver den Aktionären.

Die Gläubiger der Hochzinsanleihe [Bondholder, nach Angaben von Brokat unter anderem die WestLB sowie Fonds und Banken aus den USA] sollen einer Auflösung der im vergangenen Jahr begebenen Anleihe zustimmen und im Gegenzug bis zu 60,6 Millionen Euro in bar und die Mehrheit der Brokat-Aktien erhalten.

Die bisherigen Aktionäre stimmten am Montagnachmittag den dazu notwendigen Kapitalmaßnahmen mit großer Mehrheit zu.

Optimismus

Der Sanierungsplan von Brokat sah vor, dass das Unternehmen durch mehrere Verkäufe auf 160 Mitarbeiter schrumpft und sich auf Software für das Internet-Banking in Europa konzentriert. Als Berater hatten die Brokat-Manager den Sanierungsexperten Dirk Pfeil in den Aufsichtsrat geholt.

Finanzvorstand Michael Janssen, der als Vorstandschef für die neue Brokat AG vorgesehen ist, bekräftigte vor den Aktionären sein Konzept. "Ich sehe eine realistische Chance, das Kerngeschäft weiter zu erhalten", sagte Janssen.

Für 2002 seien ein Umsatz von 25 Millionen Euro und schwarze Zahlen im zweiten Halbjahr angepeilt. Doch durch den Stopp der Transaktion mit eOne Global droht auch die Strategie des Gesundschrumpfens fehlzuschlagen.