Britische Provider drohen mit Migration
Britische Internet-Provider wollen bestimmte Dienstleistungen wegen der umfangreichen Überwachungsmaßnahmen möglicherweise ins Ausland verlegen.
So haben sich Kunden von Claranet, einem der führenden Provider auf der Insel, bereits danach erkundigt, wie sie ihre Sites außerhalb England unterbringen können.
Die Zahl der Anfragen sei zwar nicht groß, aber es befänden sich wichtige Kunden aus der Finanzwelt darunter, die vertrauliche Transaktionen vornehmen, sagte Steve Rawlinson, Technik-Chef des Unternehmens.
Rawlinson warnte davor, dass aufgrund der Überwachungsmaßnahmen zahlreiche britische Provider gezwungen sein könnten, einen Teil ihrer Dienstleistungen in Zukunft aus im Ausland zu erbringen.
Der Branchenverband Internet Service Provider Association wollte die verschärften Überwachungsmaßnahmen bislang noch nicht kommentieren. Die Vereinigung teilte mit, zuerst detaillierte Informationen des Innenministeriums abwarten zu wollen. Unklar sei etwa noch, wie die Maßnahmen in der Praxis durchgeführt werden, welchen Nutzen sie den Ermittlungsbehörden bringen und wer für die Kosten aufkomme.
Internet Service Provider AssociationAnti-alles-mögliche-Gesetz
Ein vor kurzem vorgestelltes Anti-Terror-Gesetz in Großbritannien sieht vor, dass Provider ihre Verbindungsdaten aufzeichnen und den Ermittlungsbehörden bereitstellen müssen.
Letzte Woche wurde bekannt, dass diese Daten jedoch nicht nur zur Terrorbekämpfung verwendet, sondern unter anderem auch Finanzbehörden für die Verfolgung von Steuersündern bereitgestellt werden.
Auch die britische Polizei soll zur Aufklärung einfacher Straftaten uneingeschränkten Zugriff auf die Daten erhalten. Eine richterliche Anordnung ist für den Zugriff auf die Datensammlung nicht erforderlich.
