Werbung wird virtuell ins Bild gesetzt

Fernsehen
28.02.2006

Die digitale Retusche von Werbefotos ist Standard, jetzt sind bewegte Bilder an der Reihe: Produkte werden rein digital und für den Zuschauer fast unmerklich in bereits bestehende Szenen eingefügt. Den besten Platz dafür berechnet eine Software.

Nicht jede Packung Kartoffelchips auf dem Schirm ist immer so real, wie sie auf den ersten Blick scheint: In den USA setzen TV-Sender zunehmend auf virtuelles Product-Placement.

Dabei werden Produkte nicht bereits beim Dreh einer Serie oder eines Films augenfällig platziert ins Bild gebracht, sondern im Nachhinein digital in eine Szene eingefügt. Der US-Sender CBS hatte erstmals im April letzten Jahres auf diese Weise eine virtuelle Packung Cracker in der TV-Serie "Yes, Dear" auf den Tisch gezaubert.

CBS arbeite dazu mit der US-Firma Marathon zusammen, deren Tochter Marathon Digital unter der Marke Digital Brand Integration [DBI] eine entsprechende Technologie anbietet. Dabei werden Filme und TV-Shows mit einer Software auf passende Plätze für Werbungen untersucht und jedes Bild entsprechend katalogisiert, inklusive detaillierter Inhaltsangabe der Einstellung, Kontext und Dauer der Szene.

Suchbild

Mittlerweile hat Marathon Digital auch Deals mit NBC Universal, Warner Brothers und Fox abgeschlossen. CBS hat die Technologie bereits in einigen Serien eingesetzt, darunter "CSI: Crime Scene Investigation" und der Sitcom "How I Met Your Mother."

Flexibilität für Werber und Sender

So könnten Werbungen auch sinngemäß eingespielt werden, meint Marathon-Gründer David Brenner, der keine genauen Details zu seiner Technologie nennt. Eine Cola-Dose würde DBI allerdings nie auf dem Badezimmer-Waschbecken platzieren, so Brenner.

Auch wenn das Verfahren aufwendiger ist, als die zu bewerbenden Produkte gleich von vornherein mitzufilmen, hat es doch Vorteile. So können die Produzenten etwa ohne Rücksicht auf Verluste Szenen rausschneiden und die Werber unterschiedliche Einschaltungen buchen, etwa nur in der Erstausstrahlung oder nur in der DVD-Version oder erst bei der dritten Ausstrahlung im TV.

DBI bietet laut Brenner vor allem Flexibilität, sowohl für die Werber als auch die Sender. So könnten die Sender mit DBI die virtuellen Werbeplätze wie herkömmliche Werbezeit organisieren und verkaufen. Das digitale Einfügen oder Austauschen einer Packung Chips dauert zudem durchschnittlich nur einen Tag.

Noch sind sich Werber und TV-Sender nicht ganz sicher, wie viel Auswirkung dgitale Videorecorder auf die tatsächlich konsumierte Werbezeit haben, doch sie rüsten sich bereits.

Werbung in Spielen

Digitales bzw. virtuelles Product-Placement gibt es bereits seit einigen Jahren, so werden immer wieder bei Sportevents ganze Stadienböden virtuell und live mit Werbung bespielt.

Doch auf der Suche nach neuen Wegen abseits der althergebrachten 30-Sekunden-Spots und im Kampf gegen die Wegschaltautomatik bei Werbeblöcken hat diese Form der Werbung neuen Auftrieb erhalten.

Digitales Product-Placement hat auch bei Computerspielen bereits Einzug gehalten. Ein Vorreiter dabei ist das US-Unternehmen Massive Incorporated, dass im Vorjahr 15-sekündige Werbespots in Computerspielen brachte.

Marktforscher und Analysten sind davon überzeugt, dass diese Werbung in Spielen in den nächsten Jahren zunehmen wird. Nach 34 Millionen Dollar 2004 sollen es laut Yankee Group bis 2009 bereits 562 Millionen USD werden.

Pizzadienst im Online-Spiel

In Sonys Online-Spiel "Everquest II" etwa kann der hungrige Spieler direkt aus dem Spiel eine Pizza bei der US-Kette Pizza Hut bestellen.

(futurezone / Reuters / NYT)