01.11.2001

OBACHT

Bildquelle: PhotoDisc

Software warnt vor Bürgerkriegen

US-Wissenschaftler haben eine Software entwickelt, die derzeit bei Politikern und Militärstrategen hoch im Kurs stehen dürfte:

Das "Conflict Barometer" verspricht nichts weniger, als Bürgerkriege und andere "instabile Gesellschaftszustände" Monate im voraus vorherzusagen.

Nachrichten-Verarbeitung

Ausgangsmaterial für das "Conflict Barometer" sind sämtliche Reuters-Meldungen, also täglich mehrere tausend Texte.

Das Programm analysiert zunächst jeden Satz auf seine ungefähre Bedeutung und ordnet ihn so einer von rund 200 Kategorien zu, die verschiedene Arten von offenen Gewaltausbrüchen, Demonstrationen oder Regierungsrepressionen repräsentieren.

Aus der Verteilung und Häufigkeit der Kategorien kann dann ein Faktor errechnet werden, der die Stabilität einer Gesellschaft beschreiben soll. Die "Conflict Carrying Capacity" [CCC] ist dann die Maßeinheit des "Conflict Barometer", wobei null Punkte für völliges Chaos stehen und 100 Punkte für unerschütterliche Stabilität.

In der Vergangenheit erreichten die USA einen durchschnitlichen Wert von 98 Punkten, Großbritannien lag wegen des Nordirland-Konflikts etwas tiefer, aber noch deutlich über 90 Punkten. Unterhalb von 85 Punkten sehen die Forscher schon eine kritische Lage. Derzeit befinden sich Pakistan und Tadschikistan in diesem kritischen Bereich.

Erfolgreicher Test

Bond und Jenkins arbeiten derzeit an einer Verfeinerung ihres Programms und sie gehen auch durchaus davon aus, dass ein gewissenhafter menschlicher Beobachter die Vorhersagen genauso treffen könnte. Sie sind allerdings schon jetzt von der Zuverlässlichkeit ihrer Software überzeugt:

Nachdem sie ihr Barometer für einen Beitag im "Journal of Conflict Resolution" mit den entsprechenden Reutersmeldungen der vergangegenen Jahrzehnte gefüttert hatten, konnte das Programm die Entwicklungstendenzen von sieben Testländern sechs bis neun Monate im voraus bestimmen.