Ein Königreich für einen Inder
Die Plakatwand mit Bildern vom Oktoberfest, vom Schloss Neuschwanstein und von einem schnittigen BMW wirkt auf den ersten Blick etwas deplatziert inmitten des hektischen Treibens der indischen Sieben-Millionen-Metropole Bangalore.
"Warum gehen Sie nicht nach Bayern?" steht auf dem Plakat. Die großflächige Werbung ist an die Computerspezialisten gerichtet, die in der indischen IT-Hochburg arbeiten.
Bayern als führender IT-Standort
Bayern als führender IT-Standort in Europa biete großartige
Chancen, wirbt der Freistaat ganz unbescheiden. Bundeskanzler
Gerhard Schröder [SPD], der am Dienstag in Bangalore war, fasste die
Aufforderung an die indischen IT-Spezialisten etwas weiter: "Wir
erwarten Sie gern in Deutschland, damit das, was Sie können, auch
bei uns angewandt werden kann", sagte er an die Angestellten des
indischen WIPRO-Konzerns gerichtet.
Teurer Brain-Drain für IndienSchröder: "Die Besten aus Indien"
Das Werben für den Standort Deutschland bestimmte auch den zweiten Tag der Indien-Reise des Kanzlers. Deutschland sei entschlossen, "einzutreten in den Wettbewerb um die besten Leute weltweit", betonte Schröder.
Dieser solle nicht mehr nur anderen Ländern wie den USA und Frankreich überlassen werden.
Er verwies darauf, dass bereits mehr als 2.000 Green Cards an indische Computerspezialisten vergeben worden seien. "Wir wollen, dass unsere Wirtschaft von den Besten auch aus Indien profitiert."
"goto bavaria"-Büro in Bangalore
Bayern will künftig sogar dauerhaft in Bangalore vertreten sein - mit einem eigenen Büro namens "goto bavaria". Unter der auf dem Plakat angegebenen Internet-Adresse "www.gotobavaria.org" können interessierte Inder blumige Worte über die Vorzüge eines Arbeitsplatzes in Bayern
Indisches Silicon Valley
Der Freistaat hatte bereits während der Green-Card-Debatte seine Fühler in dem indischen IT-Zentrum ausgestreckt.
Das "indische Silicon Valley", wie Bangalore gern genannt wird, zieht massenweise ausländische Unternehmer und Politiker an.
Vor allem die USA hatten maßgeblichen Anteil an der rasanten Entwicklung der Stadt - die Wachstumsrate betrug in den vergangenen zehn Jahren 40 Prozent.
SAP und Deutsche Software präsent
Aber auch Deutschland entdeckte Bangalore bereits 1951: Mit
11.000 Mitarbeitern ist MICO-Bosch das größte deutsch-indische Joint
Venture. Seit Jahren sind auch deutsche Software-Produzenten wie SAP
und Deutsche Software präsent.
IT-Boom in Indien ungebrochen
