UMTS versus 802.11b Wireless LAN
In San Francisco, so erzählt man sich, könne man sich auf der Straße gratis ins Internet einloggen: Man benötige nur die geeignete Netzwerkkarte in seinem Laptop und stelle sich damit in jene Straßen der Stadt, in denen Firmen ihre Büros haben. Die setzen vermehrt auf den Standard 802.11b. Sie verwenden Wireless LAN.
Wireless LANs, so Jane Zweig von der amerikanischen Beraterfirma "The Shosteck Group", befriedigen ein Bedürfnis. Gegenüber 3G haben sie nicht nur einen Kosten-, sondern auch einen Zeitvorteil, sie sind klar auf bestimmte Bedürfnisse zugeschnitten. Wireless LAN hat seine Schmerzphase schon hinter sich: Es ist lieferbar.
Der Standard 802.11b gilt als interessant für private Anwender, sogenannte "public hotspots" oder für Firmen. Cafés, Hotels, Flughäfen werden zunehmend damit ausgestattet und erlauben Laptop- und PDA-Besitzern, sich in ein Netz einzuklinken, in dem sie mit einer Übertragungsrate bis zu 11 Megabit/s versorgt werden können. UMTS wird in den nächsten Jahren ihren Usern nicht mehr als 30 bis 40 kbit/s zur Verfügung stellen können, meint Jane Zweig.
The Shosteck GroupNicht problemlos
Wireless LAN hat andere Probleme - neben dem Stromverbrauch vor allem die Sicherheit. "Es wird daran gearbeitet", heißt es ständig. Solche Aussagen kennt man auch von den Apologeten der dritten Generation drahtloser Telefonie.
Wireless LAN habe auch noch andere Nachteile, meint Josef Huber vom UMTS-Forum: Es arbeite zu verlustreich, es gäbe zu viele Interferenzen bei der Übertragung und mit einer Reichweite von 60 bis 100 Metern komme man nicht weit. Aber eigentlich ärgert die Lizenzerwerber von UMTS-Frequenzen ganz was anderes: Der Frequenzbereich, der von Wireless LAN verwendet wird, ist gratis benutzbar.
Jane Zweig: "Wir sehen die Welt in drei Teile aufgeteilt: 3G für Mobilität - Wireless LAN sorgt weder für Mobilität noch für die Übertragung von Sprache. 3G für Sprachübertagung und Dienste, die geringe Bandbreite beanspruchen; für Menschen, die Informationen schnell bei der Hand haben wollen. 3G macht keinen Sinn, wenn große Übertragungsraten gefragt sind. Das käme den Netzbetreibern zu teuer. Und es macht für Firmenkunden keinen Sinn, wenn sie mit Wireless LAN besser bedient werden. Bluetooth bedient wieder eine andere Nische und kann vielleicht für Dienste mit mittlerer Bandbreite eingesetzt werden.
Support
Apple hat mit Airport eigene Wireless-LAN-Produkte in seinem Portfolio. Microsoft unterstützt jetzt mit seinem Betriebssystem XP den Standard 802.11b nativ. Endgeräte-Hersteller wie Nokia und Ericsson experimentieren mittlerweile mit Wireless LANs.
Noch kein Business Modell
So interessant Wireless Lan auch für Enduser sein mag, daraus ein
erfolgreiches Businessmodell zu zimmern hat noch kein Provider
geschafft. Metricom meldete diesen Sommer Bankrott an. MobileStar,
eine Startup Firma, die an der Westküste Starbucks Cafés mit
Wireless LANs ausgestattet hat, kündigte vor zwei Wochen seine
Mitarbeiter.
post mortemUnd wo bleibt UMTS?
Die dritte Generation drahtloser Kommunikation wird kommen, davon ist Jane Zweig überzeugt. Die Frage ist nur wann, wie und wie profitabel dieser Standard sein wird. Auf jeden Fall sollten Telecom-Unternehmen aufhören zu versuchen, alles, was via Paketvermittlung möglich ist, auch gleich als Geschäftsmodell für UMTS zu identifizieren.
In matrix heute unter anderem ein update aus Barcelona über die Entwicklungen rund um mobile Kommunikation und die Gemütslage in der Industrie.
matrix.orf.at
