Gewinner der Big Brother Awards 2001
Zum dritten mal wurden heuer zum Ausklang des Nationalfeiertages die so genannten "Big Brother Awards" verliehen.
Ausgezeichnet werden in fünf Kategorien jene Institutionen oder Personen, die es nach Meinung der Jury [ARGE Daten, Public Netbase uvw.] mit dem Datenschutz nicht so genau nehmen und die Privatsphäre der Bürger untergraben.
Das Fest konnte zudem mit einer Premiere aufwarten: Zum ersten Mal in der Geschichte der internationalen Big Brother Awards erschienen Preisträger auch tatsächlich zur Preisverleihung.
Postler holen sich ihren Preis selbst ab
Walter Trezek, Geschäftsführer für Direct Marketing bei der Post
AG, sowie seine Kollegin Linda Herwich holten sich ihre
Plexiglas-Trophäe voll Kakerlaken im Wiener "Flex" ab. Grund für die
Auszeichnung der Post AG in der Kategorie "Telekommunikation und
Marketing" war das "Daten Doppelspiel" mit dem privaten Datenhändler
Schober.
"Terror und Überwachung sind Geschwister"Die Post bringt allen was
Dieser verfüge über Daten "von allen 5,5 Millionen erwachsenen Privatpersonen mit bis zu 100 marketing-relevanten Merkmalen".
"Weil ich das sehr ernst nehme", antwortete Walter Trezek auf die Frage, warum die Post AG eine Auszeichnung für "Daten Doppelspiel" auch animmt.
Er versprach eine Verbesserung hinsichtlich dem zukünftigen Umgang mit den Daten.
Klarer Sieg für Peter Westenthaler
Bei der Publikumswahl konnte FP-Klubobmann Peter Westenthaler
einen klaren Sieg verzeichnen. Die Sieger blieben der Gala im Lokal
"Flex" aus verständlichen Gründen fern.
Die Nominees der Big Brother Awards"Lifetime Achievement" für Volkszählung
Westenthaler wurde für seinen "Vorschlag, erst allen Ausländern und dann überhaupt der gesamten Bevölkerung die Fingerabdrücke abzunehmen" ausgezeichnet, hieß es in der Begründung.
In der Kategorie "Politik", in der Westenthaler ebenfalls nominiert war, gab es allerdings einen Überraschungssieger.
Der Bürgermeister von Spittal an der Drau, Gerhard Köfer [S], setzte sich einstimmig durch. Seine Idee: Er setzte für Hinweise, die zur Ausforschung von Dealern führen, eine Prämie von 5.000 Schilling aus.
Den "Lifetime Achievement", also den Preis für sein "Lebenswerk", bekam der Projektleiter der Volkszählung, Karl Isamberth.
Er sei auch für das "Monsterprojekt Bildungsevidenz" verantwortlich und hätte es "meisterhaft verstanden, die sozial höchst gefährliche Vernetzung ungeheurer Datenmengen" herunter zu spielen", so die Urteilsbegründung.
Computerkunstfestival "Ars Electronica"
Im Bereich "Business und Finanzen" setzte sich das
Computerkunstfestival "Ars Electronica" durch. Begründung: Die
Veranstalter hätten unter dem Deckmantel der Kunst eine
"menschenfeindliche Technologie wie Biometrie" präsentiert.
Die Datenschutztermine der WocheKakerlaken für die Gewinner
Und die Kategorie "Telekommunikation und Marketing" wurde schließlich von Kripo-Chef Herwig Haidinger gewonnen - für seine "öffentliche Verharmlosung der Überwachungs-Schnittstellen im Entwurf der Überwachungsverordnung".
Für die gläsernen Trophäen haben sich die Veranstalter heuer etwas ganz besonderes einfallen lassen. Sie sind mit lebenden Kakerlaken befüllt.
Eventuell werde es nächste Woche zu einem Übergabeversuch an die Ausgezeichneten kommen, hieß es. Gefährlicher Nachsatz: Bei Ablehnung des Preises sollen die Kakerlaken an Ort und Stelle freigelassen werden.
