Australien verbietet Graffiti-Spiel
Als einziges Land der Welt hat Australien ein Verkaufsverbot über das Spiel "Getting Up: Contents Under Pressure" verhängt, da es "zu Straftaten anstiftet". Gemeint ist damit aber nicht etwa Gewalt - sondern Graffiti.
Nicht etwa Brutalität im Spiel, sondern Graffiti-Kunst führte in Australien nun zu einem Vertriebsverbot eines Computerspiels.
Virtueller Freiheitskünstler
In "Getting Up: Contents Under Pressure" schlüpft der Spieler in die Rolle des Sprayers "Trane", der durch kunstvolle Wandmalereien zu Ruhm und Ehre gelangen und so gegen ein korruptes Regime in einer totalitären Science-Fiction-Welt antreten will, das den Menschen alle Künste und Freiheiten verboten hat.
Das Spiel ist dabei keineswegs frei von Gewalt. Auf seinem Weg zum Sprayer-König der Stadt lässt Trone im Straßenkampf durchaus auch die Fäuste sprechen.
"Anstiftung zur Straftat"
Doch nicht wegen der - im Vergleich zu anderen bereits freigegebenen Spielen freilich wenig schockierenden - Gewaltdarstellungen, sondern wegen der "Werbung für ein Verbrechen", verweigerte das australische Office of Film and Literature Classification [OFLC] dem Game eine offizielle Altersfreigabe.
Ohne Altersfreigabe darf das Sprayer-Game nicht verkauft, vermietet, vorgeführt oder importiert werden. Eine offizielle schriftliche Begründung zu der Entscheidung soll Mitte März vorliegen.
"Lächerliche Argumentation"
Das australische NSW Council for Civil Liberties bezeichnet die Basis des Verbots unterdessen als "lächerlich".
"Wir verbieten auch keine Filme, die Straftaten beinhalten - sonst könnten wir zum Beispiel auch den "Paten" nicht zeigen", so Cameron Murphy, Präsident der Bürgerrechtsorganisation. "Das Problem liegt eindeutig darin, dass die Klassifikationskommission die Technologie einfach nicht versteht." Das Durchschnittsalter des urteilenden Gremiums liegt bei 43,5 Jahren.
Das Spiel wurde in siebenjähriger Projektzeit von Modedesigner und Sprayer-Idol Marc Ecko entwickelt und wird von Videospiel-Pionier Atari vertrieben.
Don't try this at home
Atari weist den Gamer vor Spielstart in einem Text darauf hin, dass die im Spiel gezeigten Taten nicht in Realität umgesetzt werden sollten, sondern rein der Unterhaltung dienen.
"Als ob Hamlet zu Rachemorden inspiriert"
In New York versuchte Bürgermeister Michael Bloomberg bereits im vergangen Jahr eine Werbeveranstaltung für das Spiel zu verhindern. Bei dem Event sollten Graffiti-Künstler unter anderem auf Modellen von U-Bahn-Zügen ihr Talent unter Beweis stellen, für Bloomberg ein "Aufruf zum Vandalismus".
Das Vorhaben scheiterte allerdings vor Gericht. Der Richter argumentierte, dass man dann auch jede Straßenvorführung von Shakespears Hamlet verbieten müsste, da man darin zu Rachemorden ermuntert werden könnte, ganz zu schweigen von einer Aufführung von König Ödipus.
Atari will Entscheidung anfechten
In Österreich ist das Spiel seit 17. Februar für PC, Playstation 2 und Xbox erhältlich.
Atari Australien will die Entscheidung anfechten und das Spiel in Australien doch noch in den Handel bringen.
(futurezone | Sydney Morning Herald)
