Microsoft übertrifft im Kerngeschäft Erwartungen
Der US-Softwarekonzern Microsoft hat auf Grund von Beteiligungsverlusten in Milliardenhöhe im ersten Quartal seines Geschäftsjahres 2001/2002 einen Gewinneinbruch erlebt, im Kerngeschäft die Ertragsprognosen der Marktexperten jedoch übertroffen.
Angesichts der unsicheren Konjunkturentwicklung nach den Anschlägen in den USA vom 11. September gab Microsoft gestern nach Börsenschluss in New York einen vorsichtigen Ausblick. Die Angriffe auf das World Trade Center und das Pentagon hätten auf das aktuelle Geschäft des weltgrößten Softwareherstellers bisher aber keine ernsten Folgen gehabt, hieß es.
Im Zeitraum Juli bis September erzielte der Konzern nach eigenen Angaben einen Reingewinn von 1,28 Milliarden USD oder 23 Cent je Aktie. Im gleichen Quartal des Vorjahres hatte der Gewinn noch 2,2 Milliarden Dollar oder 46 Cent je Aktie betragen.
MicrosoftÜber Schätzungen der Analysten
Ohne einen Verlust aus Beteiligungen von insgesamt 1,2 Milliarden USD habe der Gewinn je Aktie jedoch bei 43 Cent gelegen und damit oberhalb der Schätzungen von Analysten. Im nachbörslichen Handel zogen Microsoft-Aktien auf 57,50 USD an, nachdem sie an der Nasdaq mit 56,75 USD bereits 1,29 Prozent höher geschlossen hatten.
Den Umsatz im ersten Quartal des bis Juni 2002 laufenden Geschäftsjahres bezifferte Microsoft auf 6,13 nach 5,8 Milliarden USD - ein Plus von sechs Prozent zum Vorjahreszeitraum.
Anschläge hatten keinen Einfluss
Ein schwerwiegender Einfluss der Anschläge in den USA im September sei bisher nicht festzustellen gewesen, sagte Microsoft-Finanzchef John Connors. Der Computermarkt sei jedoch schwächer als erwartet gewesen, was eine Folge der Anschläge sein könne.
Streit um Wertigkeit von Windows XP
Ohnehin ist in diesen Monaten das Augenmerk auf das neue Betriebssystem Windows XP gerichtet, das nach Microsoft-Einschätzung die wichtigste Neuerung der Systemsoftware seit sechs Jahren ist.
Analyst Roger Kay von International Data Corp sagte: "Das sieht mir danach aus, dass Microsoft davon ausgeht, dass XP für dieses Jahr keinen großen Schub geben wird." Andere Analysten meinten, es werde nur einen glanzlosen Einstand für Windows XP geben.
Die Beteiligungsverluste des ersten Quartals 2001/2002 von 1,2 Milliarden USD resultieren laut Microsoft aus Investments in der Telekommunikationssparte. Schon im Vorquartal waren aus dem gleichen Grund Abschreibungen in Höhe von 2,6 Milliarden Dollar angefallen. Conners wies darauf hin, dass weitere Verluste drohen könnten, falls die Märkte weiter nachgäben.
Analysten bezeichneten die Beteiligungsverluste zwar als enttäuschend, werteten sie angesichts des sonstigen Geschäfts von Microsoft aber als nicht allzu bedeutend. Schließlich würde dadurch auch die Steuerlast des Konzerns gedrückt, hieß es.
