Krypto-Handy auch für Terroristen
Der deutsche Innenminister Otto Schily bekam im Frühjahr eines der Handys zu Testzwecken geschenkt. Mittlerweile sind gut tausend Exemplare des weltweit ersten serienmäßig hergestellten angeblich abhörsicheren Handys im Umlauf.
Die Freude über das innovative Geschenk dürfte Schily allerdings vergangen sein, meint die Deutsche Presse-Agentur [dpa], denn Rohde und Schwarz preist sein Krypto-Handy "Top Sec GSM" damit an, dass selbst Geheimdienste die damit geführten Gespräche nicht abhören können.
"Wir werden nicht ganz verhindern können, dass auch Terroristen unser Gerät nutzen", sagte Rohde-und-Schwarz-Geschäftsführer Henning Krieghoff am Dienstag auf der Münchner IT-Messe Systems zur dpa.
Hohe Unwahrscheinlichkeit
Dass Gesetzlose dieses Handy nutzen, ist möglich, dass sie das
zukünftig unbelauscht tun, ist dagegen eher unwahrscheinlich. Rohde
& Schwarz ist seit Jahrzehnten als Funk- und Telekom-Ausrüster für
deutsche Bundeswehr und Nachrichtendienste groß im Geschäft.
Außerdem produziert das Berliner Unternehmen so genannte
IMSI-Catcher, mit denen Handys belauscht werden können.
Signals Intelligence von R&SSiemens-Chip, Siemens-Handy
Die Krypto-Handys sind jedenfalls einfach per Knopfdruck in den Geheimmodus zu schalten. Einzige Bedingung fürs Funktionieren der Verschlüsselung, ist, dass auch die Gegenstelle ein Krypto-Handy hat.
Rohde und Schwarz hatte im Frühjahr Siemens deren Abteilung Hardware-Verschlüsselung abgekauft und baut den Krypto-Chip bisher ausschließlich in das S35i von Siemens ein. Preis: 2.300 Euro.
Auf der Systems stellte Rohde und Schwarz auch eine Box vor, die ISDN-Telefone um etwa 1.300 Euro pro Apparat abhörsicher machen soll.
Industrie und Spionage
Ursprüngliche Zielgruppe der Geräte waren Wirtschaftsunternehmen.
Pro Jahr entstehen nach Experten-Schätzungen etwa zehn Milliarden
Euro Schaden durch Industriespionage.
Was IMSI-Catcher könnenRegierungen und Seriosität
Von den bisher verkauften Geräten sind den Angaben zufolge allein 500 an Regierungen weltweit verkauft worden, Behörden und Industriebetriebe zählten zu den Ansprechpartnern, das Geschäft ziele auf den professionellen und seriösen Markt.
Ob etwa die Regierung Afghanistans zu den Kunden zählt, wollte Geschäftsführer Krieghoff nicht mitteilen.
