A.trust ist vorläufig gerettet

DIGISIGNATUR
03.02.2006

Eine Finanzspritze der Großbanken bewahrt den Alleinanbieter von Chipkarten für sichere Signatur, a.trust, vor der Insolvenz. Bis zur Profitabilität brauche das Unternehmen noch einen langen Atem, prophezeit die OeNB, die mit der Telekom Austria aus dem Eigentümerkonsortium ausgestiegen ist.

Der Fortbestand des finanziell schwer angeschlagenen Zertifizierungsanbieters a.trust - 5,4 Mio. Euro Schulden wurden angehäuft - scheint durch eine Finanzspritze vorerst gesichert. Nach dem Ausstieg der Nationalbank [OeNB] und der Telekom Austria gebe es derzeit mit möglichen neuen Partnern bereits "intensive Gespräche", hieß es am Freitag.

Die Eigentümer von a.trust hätten sich auf ein "langfristiges Businesskonzept" geeinigt und dieses "durch einen finanziellen Polster abgesichert", hieß es in der Pressemitteilung. Eigentümer und Geschäftsführung seien sich einig, dass damit der langfristige Erfolg von a.trust gesichert sei. Details zur Höhe der Finanzspritze wollte man nicht nennen.

Profit durch Dienstausweise

Garanten für den langfristigen Erfolg seien schon heute die in Umsetzung befindlichen Projekte, wie etwa der elektronische Dienstausweis des Bundesministeriums für Finanzen und das elektronische Urkundenarchiv der Notare. Auch für private Nutzer sei Sicherheit bei E-Banking und E-Government ein immer wichtigeres Thema.

Die OeNB werde die digitale Signatur auch als Nicht-Eigentümer von a.trust im nationalen und internationalen Zahlungsverkehr weiterhin im Interesse des Finanzmarkts Österreich vorantreiben, hieß es.

Online-Banking mit Karte

Ende Jänner war bekannt geworden, dass a.trust 5,4 Mio. Euro Schulden angehäuft hatte. Der Alleinanbieter hatte seit 2002 erst 56.000 Chip-Karten - Bankomat, MasterCard, Dienstausweise etc. - für "sichere digitale Signaturen" ausgeben können. Schwere technischen Probleme im Jahr 2004 - die damals neue Serie von Bankomatkarten erwies sich als nicht geeignet, digitale Signaturen aufzubringen - trugen zur schwachen Verbreitung das Ihre bei.

Für den Endverbraucher ist das Angebot an Signatur-Anwendungen schlicht zu wenig attraktiv, obwohl Online-Banking mit Log-in über die Signaturkarte statt via Password, PIN und TAN momentan das einzig probate Mittel gegen Netzbetrüger ist.

"Es war eine schwere Geburt ..."

Die Beteiligung der Nationalbank an a.trust sei nicht auf Profit ausgerichtet gewesen, sondern in erster Linie darauf, die Sicherheit am Finanzplatz durch zusätzliche Infrastruktur für den Einsatz der digitalen Signatur zu fördern, sagte OeNB-Direktor Wolfgang Pernkopf zur APA. Die Schaffung der Infrastruktur sei nun so gut wie abgeschlossen: "Es war zwar eine schwere Geburt, aber vom technischen Standpunkt aus gesehen funktioniert es nun."

Die praktische Umsetzung der Signatur auf dem Markt gestalte sich aber "sehr schwierig", so Pernkopf. Marktbewerbung sei aber nicht mehr Aufgabe der Nationalbank. Die Rolle der OeNB werde in diesem Zusammenhang in Richtung Aufsichtsfunktion übergehen.

Für die weitere Entwicklung von marktfähigen Anwendungsmöglichkeiten der digitalen Signatur brauchten die a.trust-Teilhaber einen langen Atem, denn es würden sicher noch einige Quartale vergehen, bis sich die Investitionen bezahlt machten.

"Fortgeschrittene Signaturen"

Anders als die "sichere Signatur" im Privatbereich sind "fortgeschrittene Signaturen" zur rein elektronischen Rechnungslegung bereits in vielen großen Unternehmen Österreichs Alltag.

Das jeweilige Signaturzertifikat wird auf einem zentralen Server installiert, der jede ausgestellte Rechnung dann signiert. Partner, Zulieferer und andere kleinere Firmen müssen bereits nachziehen, der Markt beginnt sich deutlich zu beleben.

(futurezone| APA)