Kein Mitleid mit Musikindustrie

studie
03.02.2006

Die Probleme der Musikindustrie lassen die US-Amerikaner kalt. Für drei Viertel sind CDs zu teuer, sie laden lieber Musik aus dem Netz. Bei illegalen Downloads herrscht mittlerweile ein hohes Unrechtsbewusstsein - 80 Prozent halten das für Diebstahl.

Die Probleme der Musikindustrie wegen sinkender Verkaufszahlen halten die meisten Amerikaner für selbst verschuldet.

Für drei Viertel sind Musik-CDs einfach zu teuer, 58 Prozent sind der Ansicht, dass die künstlerische Qualität schlechter geworden ist. Hingegen stellte die Umfrage der Nachrichtenagentur AP und der Musik-Zeitschrift "Rolling Stone" ein hohes Unrechtsbewusstsein bei illegalen Downloads aus dem Internet fest.

So betrachten 80 Prozent der Befragten die kostenlose Beschaffung urheberrechtlich geschützter Musik als Diebstahl. 92 Prozent gaben an, das noch nie getan zu haben. Exemplarisch für diese Mehrheitsauffassung steht die Aussage des 41-jährigen Mickey Johnson aus Charleston, Tennessee: "Da produziert jemand seine eigene Kunst und sollte auch dafür bezahlt werden."

Internet besser nutzen

Allerdings wäre die Musikindustrie gut beraten, wenn sie das Internet als Vertriebsweg besser nutzen würde als bisher, meinte der 42-jährige Greg Hoerger aus Minneapolis. Für ihn kommt der Kauf einer CD für umgerechnet 15 oder mehr Euro nicht mehr in Frage. Lieber lädt er ein oder zwei Songs einer CD aus dem Internet herunter - zum Standardpreis von einem Euro je Titel.

CDs samt Downloads

Um die CD wieder populärer zu machen, schlägt Hoerger vor, die Käufer für jede erworbene CD mit einem kostenlosen Download von fünf oder sechs Songs zu belohnen.

Vielen Musikfreunden gefällt aber gar nicht mehr, was sie vorgesetzt bekommen. Selbst in der Altersgruppe der 18- bis 39-Jährigen sind 49 Prozent der Befragten der Ansicht, dass die Qualität nachlässt. Die 30 Jahre alte Kate Simkins aus Cape Cod in Massachusetts kritisiert, dass "wenig talentierte Leute" von einem Musik-Label so sehr gepusht würden, dass sie mit einem Song eine schnelle Million verdienen könnten. "Und dann hört man nie wieder etwas davon."

618,9 Mio. CDs verkauft

Die Erhebung beruht auf einer Befragung des Ipsos-Instituts mit einer Stichprobe von 1.000 Personen. Die statistische Fehlerquote liegt bei plus/minus drei Prozent. In den USA wurden im vergangenen Jahr 618,9 Millionen CDs verkauft, nachdem es 2001 noch 762,8 Millionen gewesen waren. Gleichzeitig wurden 2005 bereits 352,7 Millionen Musiktitel digital vertrieben.

(Futurezone | dpa | Reuters)