Digitale Revolution im Rechnungswesen

DIGI-SIGNATUR
30.01.2006

"Fortgeschrittene Signaturen" zur rein elektronischen Rechnungslegung sind bereits in vielen großen Unternehmen Österreichs Alltag. Partner, Zulieferer und andere kleinere Firmen müssen bereits nachziehen, der Markt beginnt sich deutlich zu beleben.

Anders als die von der Pleite bedrohte a.trust haben mittlerweile eine ganze Anzahl von Anbietern in Österreich auf eine andere Form der Signatur gesetzt, nämlich die "fortgeschrittene Signatur" - nicht für Privatanwender, sondern für Unternehmen geeignet.

Diese Signaturart funktioniert nicht mit einer Karte, die Signaturschlüssel liegen vielmehr auf einem zentralen Server, der in die ERP- und CRM-Systeme [Enterprise Ressource Planning bzw. Customer Relationship Management] der großen Unternehmen eingebunden ist.

Rationalisierungspotenziale

Die "fortgeschrittene Signatur" - im Signaturgesetz noch nicht erwähnt, wohl aber im [neueren] Steuergesetz - wird nämlich von immer mehr Firmen zur elektronischen Rechnungslegung benötigt. Gerade für Firmen mit hohen Rechnungsaufkommen ist hier durch den hohen Grad der Automatisierung ein Rationalisierungspotenzial vorhanden, das nicht zu unterschätzen ist.

Das Potenzial auf der "andernen Seite", nämlich bei den Beamten des Finanzministeriums, dürfte noch deutlich höher sein.

Fortgeschrittene Signaturen

Das ist der Grund, warum die "fortgeschrittene Signatur" praktisch das einzige Produkt ist, das momentan gute Marktchancen hat. Vor allem dann, wenn nach den Großen auch die vielen kleinen und mittleren Unternehmen zwangsläufig auf elektronische Rechnungslegung umstiegen, meint Hans Zeger, der die Zertifizierungsstelle A-Cert leitet.

A-Cert setzt im Grunde auf ein einziges Produkt, die "einfache Signatur" in Form des überall gebräuchlichen Server-Zertifikats für verschlüsselten Datenverkehr [...], vor allem aber auf die Variation der "einfachen" zur "fortgeschrittenen Signatur". Dieses "Upgrade" ist weniger technisch als vielmehr eine Prozedur im echten Leben: Man erscheint in Personam in der Zertifizierungsstelle und legt einen Ausweis vor.

Im Sog der Automatisierung

"Mit etwa tausend Zertifikaten dürften wir bei fortgeschrittenen Signaturen der Marktführerer in Österreich sein" sagt Zeger. Es gibt weder eine Preisstaffelung, die sich an der Größe des Unternehmens oder Anzahl der signierten Rechnung orientiert, sondern nur den Einheitspreis von 140 Euro plus Ust. für eine Dauer von vier Jahren.

Aber "tausend Zertifikate" klingt doch nicht nach viel?

"Wir stehen noch ganz am Anfang", sagt Zeger und auch ganz große Unternehmen benötigten selten mehr als ein einziges Zertifikat. Es gehe hier also um die schlichte Zahl an Unternehmen, die elektronische Rechnungen legen. Sobald im Sog der allgemeinen Automatisierung auch die kleineren Firmen umstellten, sei ein Markt von 100.000 zu erwarten.

Neben a.trust und A-Cert sind noch weitere ganz unterschiedliche Anbieter im Bereich der "fortgeschrittenen Signatur" tätig, wie etwa die für ihre Stempel bekannte Firma Trodat oder die Wiener IT-Consultants von it20one.at.

Die Anbieter-Liste beim Regulator RTR dürfte in nächster Zeit noch wachsen, denn einige Anbieter sind noch nicht enthalten.

Die Lösung für den Bürger

A.trust, österreichweit der einzige Anbieter "qualifizierter Zertifikate", die mittels Bankomatkarte, Kartenlesegerät und PC erfolgt, hat nach eigenen Angaben davon seit 2002 gerade einmal 56.000 an die Leute gebracht. Darunter sind und waren zahlreiche Marketing-Aktionen zu äußerst reduzierten Preisen wie etwa die elektronische Signaturkarte an der Wiener Wirtschaftsuni.

Das liegt zum einen an der keineswegs unkomplizierten Installation von Kartenleser, Treibern und Software, die mit den Programmen [Browser, E-Mail, Textverarbeitung] interagiert und dabei Probleme verursacht.

Zum anderen liegen der futurezone zahlreiche Beschwerden von Signatur-Nutzern in spe vor, die es noch immer zu diesem Status gebracht haben, da es die Banken mangels ausgebildeter Mitarbeiter nicht schaffen, genügend Maestro-Karten [Bankomat] mit Schlüsseln zu versehen.

Die größten Gesellschafter der a.trust sind die BAWAG/P.S.K, BA-CA und Raiffeisen sowie die Nationalbank, Telekom Austria und die Wirtschaftskammer.

(futurezone | Erich Moechel)