Trend zum kollaborativen Kalender

MATRIX FORUM
29.01.2006

Online-Terminplaner und Veranstaltungskalender sind in Mode. Noch vor den Großen wie Google und Yahoo drängen neue Start-ups in das zu erwartende Geschäft mit "sozialen Plattformen" a la Flickr und Del.icio.us.

Als Google im letzten September die Subdomain Calendar.Google.com mit einer Weiterleitung zur Google-Homepage freischaltete, sorgte das für Aufregung im Netz. Seitdem machen zahllose Gerüchte über ein Kalender-Tool aus dem Hause Google die Runde. Branchenexperten nennen dessen Entwicklung bereits das am schlechtesten gehütete Geheimnis des Sillicon Valley.

Doch der Suchmaschinenriese lässt sich offenbar Zeit mit seinen Kalender-Ambitionen und erlaubt damit zahlreichen Start-ups, ihr Glück beim Anbieten von Online-Terminplanern und Veranstaltungskalendern zu versuchen.

"Events befreien"

Zu den prominenteren Plattformen gehört bereits jetzt Eventful.com – ein kollaborativer Veranstaltungskalender, der im Frühjahr letzten Jahres im kalifornischen San Diego das Licht der Welt erblickte. Eventful-Gründer Brian Dear beschreibt das Ziel seiner Firma folgendermaßen: "Der Auftrag unserer Firma ist es, Events zu befreien, so dass sie portabler und einfacher zu entdecken sind."

Soziale Netzwerke und APIs

Eventful bedient sich dazu Technologien, die von sozialen Netzwerken und Plattformen wie Flickr und Del.icio.us bekannt sind. So können Termine wie Bilder bei Flickr mit frei zu vergebenden Stichwörtern ["Tags"] gekennzeichnet werden. Dazu können Nutzer private Termine anlegen, auf die nur Freunde, Bekannte oder Familienangehörige Zugriff haben.

Ein weiterer Baustein des Eventful-Angebots ist die API-Schnittstelle, die Entwicklern den direkten Zugriff auf die Termindatenbank des Dienstes bietet. Damit sei es möglich, komplett neue Anwendungen und Dienste auf Grundlage der Eventful-Datenbasis zu entwickeln, erklärt Brian Dear. "Etwa, wenn eine Firma einen mobilen Dienst entwickeln und Events in ihr soziales Netzwerk oder ihren mobilen Telefondienst integrieren will."

Leitfaden für Web 2.0

Die Kombination sozialer Web-Technologien mit APIs wird im Netz gerne auch als Web 2.0 bezeichnet. Namensgeber ist der US-Buchverleger Tim O'Reilly, der auf seiner Website eine Art Leitfaden für Web 2.0-Angebote zusammengestellt hat.

Wachsende Konkurrenz

Eventful ist nicht das einzige Angebot, das Kalender mit Kollaboration verbindet. Der Konkurrent Upcoming versucht sich an einem sehr ähnlichen Modell – und wurde im Oktober letzten Jahres prompt vom Web-Riesen Yahoo aufgekauft.

Brian Dear rechnet denn auch fest damit, dass bald alle großen Web-Anbieter eigene Kalenderplattformen besitzen werden. Dazu werde es noch eine ganze Reihe neuer Mitbewerber geben. "Ich glaube, wir werden 20, 30 Start-ups dieses Jahr sehen – noch mehr als letztes Jahr", so Dear.

Heute in Ö1

Heute um 22.30 Uhr im Ö1-Magazin matrix:

Janko Röttgers hat Brian Dear in San Diego getroffen und mit ihm über kollaborative Kalender und Strategien zum Indizieren von Terminen im Netz gesprochen.

(Ö1 Matrix | Janko Röttgers)